Die Tapferkeitsmedaillen des Erzbischofs Colloredo



Durchmesser :
28 mm (Gold, Silber); 40 mm (Silber, Zinn); Medailleur Franz Xaver Matzenkopf.

Das Souveränitätsrecht, Orden zu verleihen, übten die Erzbischöfe von Salzburg erst seit dem Jahre 1701 aus, in dem Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun-Hohenstein den St. Rupertus Ritterorden stiftete. Damit war für adelige Militärpersonen die Möglichkeit einer Kriegsauszeichnung geschaffen worden. Bis dahin und auch noch nachher wurden um das Erzstift oder den Landesherrn verdiente Personen durch Verleihung von Lehen, Ämtern, Titeln, Würden und auch durch die Vergabe von Medaillen belohnt. Letztere, meist als Gnadenpfennige bezeichnet, wurden sodann durch die Beschenkten oft an einer Kette getragen, um das Verdienst äußerlich zur Schau zu tragen. Während also die adeligen Militärpersonen seit Anfang des 18. Jahrhunderts für ihre Verdienste durch Verleihung des St. Ruperti-Ordens-Kreuzes belohnt werden konnten, gab es keine Dekoration für die bürgerlichen Mannschaften. Erst die gegen Frankreich geführten Revolutionskriege, die an das Reichskontingent gesteigerte Anforderungen stellten, machten es notwendig, auch im Erzstift eine Ehrenmedaille für die bürgerlichen Mannschaften zu schaffen.

Mit Reskript vom 3. Dezember 1799 tat Colloredo kund, "auf dass unter der Mannschaft kein Mismut erzeugt werde, wenn sie sich minder belohnt sähe, als andere Truppen, mit welchen sie täglich gegen den Feind zu kämpfen haben" nunmehr auch für die gemeine Mannschaft eine Belohnung für Tapferkeit eingeführt wurde. Es handelte sich dabei um goldene und silberne Ehrenmedaillen, die von Franz Xaver Matzenkopf geschaffen wurden. Dieser lieferte innerhalb kurzer Zeit einen Entwurf, der aber seitens Colloredos keine Genehmigung erhielt.

Wenige Tage später legte Matzenkopf einen zweiten Entwurf vor, der dann zur Ausführung gelangte. Der Entwurf trägt eine eigenhändige Erläuterung Matzenkopfs : "Auf der Vorderseite die Buchstaben H.P.S. auf dem Schilde, den ein Genius hält, mit dem Fürstenhut und Fürstenmantel. Die Buchstaben heißen : Hieronymus Princeps Salisburgensis. Unten steht die Jahreszahl des laufenden Jahres. Auf der Rückseite ein Corona Civica in römischen Geschmacke mit der Aufschrift : Den Kämpfern fürs Vaterland. Der kleine Zirkel auf dem Entwurfe ist die Größe der goldenen Medaille, worauf das Nemliche zu stehen kommt."

Am 25. Jänner 1800 hatte Matzenkopf die Stempel für die silbernen Medaillen abgeliefert; am 13. Februar 1800 waren 50 Stück silberne Medaillen mit einem Durchmesser von 40 mm und einem Gewicht von 19 Gramm ausgeprägt. Von den goldenen Medaillen wurden insgesamt 10 Stück mit einem Durchmesser von 28 mm und einem Gewicht von 10,38 Gramm ausgeprägt und vor dem 3. März 1800 ausgeliefert. Für das Schneiden der Stempel verlangte Matzenkopf ein Werkhonorar von 40 Dukaten. Nach längeren Verhandlungen wurden ihm vom Landesfürsten schließlich 36 Dukaten zuerkannt.

Die Tapferkeitsmedaille wurde ein einziges Mal in Gold und fünfmal in Silber vergeben. In Gold erhielt die Auszeichnung der Oberkanonier Franz Waltl gegen Rückgabe einer zuvor verliehenen silbernen Medaille. Die silbernen Medaillen erhielten der Feldwebel Wolfgang Göbl und die Oberkanoniere Josef Huber, Jakob Hirsch, Johann Schmid und Johann Paul Kapeller. Nach Einverleibung Salzburgs in den österreichischen Kaiserstaat wurden diese Medaillen den Verliehenen wiederum abgenommen und gegen österreichische ausgetauscht. Die Stempeleisen wurden nicht im Münzamt, sondern bei der  Landschaft aufbewahrt. Ob und wo die beiden Stempelpaare noch vorhanden sind, ist unbekannt.

 

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