Die Salzburger Emigration 1732

 

„ Ich will die Ketzerei im Land gänzlich und von der Wurzel her ausrotten“ waren die Worte Erzbischof Firmians zur Rechtfertigung seines Emigrationspatentes. Ausgerechnet am 31. Oktober, dem Reformationstag des Jahres 1731, unterfertigte Firmian das schicksalhafte Emigrationspatent, das in der Folge mehr als 22.000 Salzburger Protestanten heimatlos machte. Am 11. November, dem Tauftag Luthers, wurde dieses Patent von allen Kanzeln des Landes verlesen und öffentlich angeschlagen. Die Ausweisung wurde so angeordnet, daß die Besitzlosen, die Unangesessenen, binnen acht Tagen das Land zu verlassen hatten, während den Bürgern, Handwerkern und Bauern je nach Steueraufkommen eine Frist von einem bis zu drei Monaten eingeräumt wurde. Von den Protestanten wurde dieses Emigrationspatent mit großer Bestürzung zur Kenntnis genommen. Vor allem der kurzfristige Termin der Landesverweisung bedeutete ein Verlassen der Heimat in einem zu erwartenden strengen Winter. Beachtenswert ist die Geisteshaltung der damaligen Salzburger Protestanten: " In Glaubenssachen muß man Gott mehr gehorchen als der Obrigkeit. Darum verlassen wir schweren Herzens unsere Heimat. " Für viele sollte die winterliche Vertreibung ein Weg in den Tod werden. Während diplomatische Verhandlungen mit dem kaiserlichen Hofe gepflogen wurden, begann am 24.November 1731 die Ausweisung der Unangesessenen unter militärischem Einsatz. Diese Vertriebenen wandten sich nach Nürnberg oder Regensburg. Am 6.Mai 1732 verließ sodann der erste große Auswandererzug Salzburg, dem bis November 1732 weitere dreiundzwanzig Züge folgten. Die Wege dieser Vertriebenen waren verschieden. Die Unangesessenen erreichten bei Schongau den Lech. Andere zogen über Waging, Wasserburg und Freising nach Donauwörth, wo sie sich auf mehrere Straßen verteilten. Ein Teil kam über Ulm, Stuttgart, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt a.M., Marburg und Kassel nach Halberstadt. Andere erreichten über Kaufbeuren und Augsburg ebenfalls Donauwörth und von dort aus über Dinkelsbühl, Schweinfurt und Meiningen. Ein Teil gelangte über Eisenach oder Gotha nach Nordhausen und Halberstadt, wobei manche von Gotha aus nach Eisleben abzweigten, um nach Berlin zu kommen. Andere wieder versuchten Berlin über Magdeburg oder über Stendal und Nauen zu erreichen. Der Hauptzug ging über Nürnberg, Bayreuth, Hof, Zwickau, Altenburg und Leipzig oder über Meißen und Wurzen nach Wittenberg und Berlin. Von Berlin aus zogen die Emigranten teils über Stettin zu Land und zu Schiff über Küstrin nach Königsberg. Von hier aus erfolgte die Verteilung in Litauen.Am 29.November 1732 verließen 788 Dürrnberger zu Schiff Salzburg, um nach Regensburg zu kommen. Im Juni 1733 wurden sie nach Holland überführt und teils bei Vlissingen, teils auf der Insel Radsand angesiedelt. Kleinere Züge folgten noch 1733 nach Memmingen und von dort aus nach Amerika in die Nähe von Savannah. Aus Berchtesgaden wanderten ebenfalls rund 900 Protestanten zunächst nach Hannover aus, wandten sich aber in der Folge nach Nürnberg, Altdorf und Berlin.
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