Die Münzmerkung vom Jahre 1681 [von Karl Roll – Auszug]

 

Die Herstellung einer guten Münze und die Erhaltung eines geregelten Münzwesens gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Staatswirtschaft. Die Münzzustände eines Staates bilden aber auch einen Maßstab für die Beurteilung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse. Betrachtet man die finanziellen Verhältnisse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im 16. und 17. Jahrhundert, so bietet sich das Bild der Zersplitterung des Reiches in zahlreiche Kleinstaaten.

Auf dem Reichstag zu Augsburg ( 19. August 1559) war die dritte Reichsmünzordnung samt Münzprobationsordnung aufgerichtet worden. Trotz der allgemeinen Erkenntnis der Schädlichkeit der damals bestandenen Münzverhältnisse und des allgemeinen Rufes nach einheitlicher Gestaltung des Münzwesens schlossen sich auch dieser letzten Reichsmünzordnung nicht alle Reichsfürsten an. Um ihre Anerkennung zu erzwingen und die in ihr getroffenen Anordnungen durchzuführen, fehlte eine mächtige Zentralgewalt. Der Kaiser selbst sagte sich als Beherrscher der österreichischen Erblande am 17. März 1573 von ihr los. Zur Förderung der Einheitlichkeit im Münzwesen wurden auf dem im Jahre 1571 zu Frankfurt a. M. gehaltenen Generalmünzdeputationstag die von Kaiser Maximilian I. geschaffenen zehn Kreise in drei Gruppen vereinigt, der fränkische, schwäbische und bayrische Kreis, zu welch letzterem auch das Erzstift Salzburg gehörte. Auf diese Kreise ist dann auch die Leitung der Münzangelegenheiten übergegangen und sie suchten durch die Münzprobationstage die Münzverhältnisse nach Tunlichkeit zu bessern. Allerdings herrschte auch unter ihnen nicht immer volle Übereinstimmung. Eine solche war ja schon von vorneherein dadurch ausgeschlossen, daß gerade das Erzstift Salzburg - als einziger Staat im bayrischen Kreisverbande - die erwähnte Reichsmünzordnung nicht angenommen hatte. Aber auch Eigennutz und das Streben, den Vorteilen des eigenen Landes mehr zu dienen als den allgemeinen Interessen, ließ die Fürsten bisweilen einseitige Verfügungen treffen, ohne vorher die Zustimmung der korrespondierenden Faktoren einzuholen. 

In Ausübung des Münzregals suchten die Reichsstände beim Ausmünzen nicht nur den Schlagschatz, das ist den Ersatz der Münzungskosten, sondern auch noch einen erheblichen Gewinn zu erzielen. Hiezu boten sich außer der Verminderung der Herstellungskosten unter den normierten Betrag des Schlagschatzes insbesonders zwei Wege: 

· einerseits Beschaffung des Edelmetalles um möglichst geringen Preis, 
· andererseits Ausbringung der Münzen in geringerem Gehalte an Schrott und Korn. 

In Verfolgung des ersteren Weges setzte die Mehrheit der Reichsfürsten die Bestimmung der eingangs erwähnten Reichsmünzordnung durch, daß auf die Kölnische Mark 9 1/2 Reichsgulden zu 60 Kreuzer, im Feingehalte von 14 Lot 16 Grän, gehen und somit die feine Mark um 10 Gulden 12 1/2 und 5/134 Kreuzer ausgebracht werden sollen. Allein gerade durch diese Bestimmung wurde die allgemeine Anerkennung der Reichsmünzordnung vereitelt, indem die Bergbau treibenden Staaten gegen die Festsetzung dieses Münzfußes, durch den sie sich in dem Erträge ihrer Bergwerke bedroht sahen, Protest erhoben und die Anerkennung der Münzordung verweigerten. Aus dem angeführten Grunde protestierten auch die Gesandten des Erzbischofs von Salzburg, Michaels von Kuenburg, 1559 in Augsburg gegen diese Münzordnung und die Abgeordneten des Erzbischofs Johann Jakob Khuen von Belasy wiederholten auf dem bereits erwähnten Reichsmünzdeputationstage zu Frankfurt a. M. 1571 den förmlichen Protest des Erzstiftes, das seine Taler wie Österreich und Tirol nur mit einem Feingehalte von 14 Lot ausprägte. 

Viele Reichsfürsten betraten den zweiten Weg. Trotz aller Bemühungen der Kreise, dem Unwesen durch Münzprobationstage und auf diesen erlassene "Münzabschiede" und "Rezesse" mit den darin verfügten Münz-Verrufen und Abwürdigungen, mit den Androhungen von Strafen an Leib und Leben nebst Konfiskation der ungemäßen Münzsorten zu steuern, fuhren so manche Reichsfürsten fort, geringhältige Münzsorten zu schlagen, eine übergroße Menge von Scheidemünze zu erzeugen, oft, ohne das Münzrecht zu besitzen Geldsorten in Heckenmünzstätten und durch nicht ordentlich verpflichtete Leute münzen zu lassen. Die Mißstände im Münzwesen nahmen immer mehr zu und erreichten ihren Höhepunkt zur Zeit des dreißigjährigen Krieges. Mit den übrigen Schrecken und Lasten brachte er auch die bedeutendste Münzverschlechterung, die "lange Münze". In dieser „großen Kipperzeit“ war die Münzverschlechterung so weit gediehen, daß der Wert eines der Münzordnung gemäß geprägten Talers auf 10 Gulden stieg. Auch Salzburg hat in den Jahren 1621 und 1622 Kippermünzen geschlagen. Die durch das Münzunwesen mitbedingte, wirtschaftliche Notlage drängte zur Abhilfe. Und so wurde unter Einstellung der leichten Sorten, nachdem Erzbischof Paris Graf Lodron auch auf dem Regensburger Reichstage für die Herabsetzung des Talers eingetreten war, mit erzbischöflichem Mandat vom 1. Mai 1623 der Wert des vollwichtigen Talers auf 90 kr. (1 ½ fl.) festgesetzt, der Wert des Kippertalers (Doppelguldiner) zu 120 Kreuzern aber auf 30 Kreuzer herabgemindert. Nun trat für kurze Zeit eine Besserung und Konsolidierung der Münzverhältnisse ein. Aber schon vor Ablauf eines halben Jahrhunderts hatte sich das alte Übel wieder eingeschlichen und war das Reich mit minderwertiger Scheidemünze überschwemmt. Die Überhandnahme der schlechten Scheidemünze veranlaßte die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg die Vormächte des obersächsischen Kreises - am 27. August 1667 zur Vereinbarung des sogenannten Zinna'schen Münzfußes, nach welchem in kleineren Münzsorten aus der Mark Silber 10 1/2 Reichstaler ausgebracht wurden, was wieder eine Erhöhung des Talerwertes auf 1 f 1. 36 kr. , später auf 1 f 45 kr. zur Folge hatte. Da aber die gewinnsüchtigen Münzstände fortfuhren, sich über die im kaiserlichen Münzedikte vom 15. Juni 1676 verfügten Anordnungen hinwegzusetzen, sowohl in Heckenmünzstätten zu schlagen, als auch ihre Münzstätten zu verpachten, geringhältige Sorten auszumünzen und zur Verdeckung ihres strafbaren Vorteiles die Jahreszahl auf den Münzen zurückzusetzen, wodurch aber nicht nur des Reiches und des Kaisers Ansehen, sondern auch der Handel der Untertanen geschädigt wurde, sah sich Kaiser Leopold I. veranlaßt, am 6. November 1680 seine Anordnungen zu erneuern und den ausschreibenden Fürsten genaue Aufsicht und unnachsichtliche Verfolgung vorkommender Mißbräuche in ihren Kreisen aufzutragen. Auf dem Probationstage zu Augsburg am 28. November 1680, auf dem Salzburg durch Balthasar Staudacher zu Wißpach vertreten war, wurde unter anderem die unverweilte Exequierung des Regensburger-Rezesses, die Verschiebung des Verrufungstermines auf den 11. Mai 1681 und die Festsetzung des 11. Februar 1681 als Abwürdigungstermin beschlossen. In dem vorerwähnten Regensburger Rezesse vom 28. Juli 1680 war der Wert des Reichstalers; nachdem derselbe inzwischen auf Grund des Reichsgutachtens vom 27. März 1676 mit kaiserlichem Edikte vom 15. Juni 1676 auf 96 Kreuzer erhöht und auf dem Nürnberger Münzprobationstage am 22. Dezember 1679 beschlossen worden war, dem Reichstaler diesen erhöhten Wert ad interim zu belassen, zufolge Mehrheitsbeschluß wieder mit 90 Kreuzer festgesetzt worden. Zugleich wurde in Erinnerung gebracht, daß auf die rauhe Kölner Mark 8 Ganze, 16 Halbe, 32 Viertel und 72 Neuntel Reichstaler gehen und durchaus 14 Lot 4 Grän Feingehalt haben; daß von den Guldentalern 9 l/2 Stück, von den halben 19 Stück auf die rauhe Kölner Mark gehen und an fein 14 Lot 16 Grän halten sollen und der Münzerlohn bei diesen Münzsorten mit 20 Kreuzern von der feinen Mark bestimmt. Für die abgewürdigten Guldner wurde von den Wardeinen ein Valor von 50 Kreuzern, für die verrufenen ein solcher von 45 Kreuzern ermittelt. Infolge der Herabsetzung des Talers auf einen Wert von 90 Kreuzern wurde eine neue Valvationstabelle angefertigt, die zugleich mit einem Verzeichnisse der verrufenen und der abgewürdigten Münzsorten dem Münzabschiede beigegeben wurde. Daß auch die Scheidemünzen nach Recht und Güte des Reichstalers reguliert und gemünzt werden sollen, bestimmte schon § 5 des Regensburger Münzprobationsabschiedes vom 18. Mai 1669. An diese Bestimmung hielt sich leider aber auch das Haupt des Reiches nicht und ging Kaiser Leopold bedauerlicherweise vielmehr mit schlechtem Beispiele voran, indem er sich in seiner durch die Türkenkriege verursachten Notlage durch Ausbringung minderwertiger Münzen zu helfen suchte. Dieser Vorgang bewog den Kurfürsten Max Emanuel von Bayern zur Erlassung des Münz-Verrufes vom 13. Dezember 1680, in dessen zweitem Absatz sämtliche ausländische Guldner auf 50 kr. herabgesetzt und in dessen drittem unter besonderem Hinweis auf die schlechten erbländischen Scheidemünzen die Annahme neu ausgeprägter ausländischer Münzen bis zu deren ausdrücklichen Approbation verboten wurde. Werden die damaligen Münzverhältnisse des Erzstiftes in Betracht gezogen, so zeigt sich, daß auch noch gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Taler nach dem österreichischen Fuße, d. h. in einem Feingehalte von 14 Lot ausgeprägt und deshalb von den Kreiswardeinen bemängelt wurden, so auf dem Augsburger Münzprobationstage vom 11. November 1669, bei dem das Erzstift durch den hf. Hofrat und ständigen Gesandten beim permanenten Reichstag in Regensburg Matthias Kaspis vertreten wurde, desgleichen auf dem nächsten, zu Nürnberg am 31. Mai 1674 abgehaltenen, zu dem für Salzburg derselbe Abgeordnete erschienen war. 

Laut Beilage B des Münzabschiedes hatte die durch den Generalmünzwardein des fränkischen Kreises, Leonhard Willibald Hofmann, vorgenommene Probe der von Salzburg eingesendeten Münzen folgendes Ergebnis:

Dukatenwerke je 4 mit der Jahreszahl 1670, 1671, 1672, 1673 und 1 m. d. Jz. 1674 wiegen je 67 Stücke eine kölnische Mark und halten fein 23 Karat 8 Grän.
Talerwerke 2 m. d. Jz. 1669, 3 m. d. Jz. 1670, je 4 m. d. Jz. 1671, 1672 und 1673, 1 m. d. Jz. 1674 gehen je 8 Stück auf eine kölnische Mark und halten fein 14 Lot.
Kreuzerwerke je 2 m. d. Jz. 1669, 1671, 1672, 1673 gehen je 288 Stück auf eine kölnische Mark und halten fein 5 Lot.
Zweierwerke 1 m. d. Jz. 1671 gehen 480 Stück auf eine kölnische Mark und halten fein 4 Lot.
Pfennigwerke je 1 m. d. Jz. 1670, 1671, 1672, 1673, 1674 gehen je 720 Stück auf die kölnische Mark und halten fein 3 Lot. ﷓ Die 51 große und kleine Werker sind außer dem Reichstaler, so um 4 Grän zu geringhältig, der Reichsordnung gemäß.

In seinem Berichte vom 12. Juni 1674 sagt der Abgesandte, daß er die Ausmünzung der zugelassenen Quantität Halb﷓Batzen dem Erzbischofe ausdrücklich vorbehalten und betreff der bei den Talern abgängigen 4 Grän auf die beim vorigen Münzkonvent geschehene Kontradiktion und altes Herkommen verwiesen habe. Diesen Ausführungen des salzburgischen Abgesandten wurde auch tatsächlich Rechnung getragen, da es im § 1 des Probationstagabschiedes heißt, daß die seit dem letzten Probationstage ausgemünzten, inländischen, ordinari Werker der gemeinen Reichsmünzordnung und die extraordinari Werker oder Schiedmünzen dem interims getroffenen Vergleich gemäß befunden und dabei kein sonderbarer Mangel oder Abgang verspürt wurde. Aus dem ähnlichen Wortlaute des § 2 des Münzprobationsabschiedes von Regensburg, 28. Juli 16803 (zum Probationstage am 28. November 1680 hat Salzburg keine Proben nach Augsburg gesendet) ist anzunehmen, daß das Erzstift seine Geldsorten auch weiterhin im gleichen Gehalte ausgemünzt habe.

Die geographische Lage des Erzstifts zwischen Kurbayern und Österreich, die Wechselbeziehungen, die insbesonders durch die salzburgischen Gerichte im Ziller-, Unterinn- und Iseltal, in Kärnten und Steiermark, sowie durch die ganz von bayrischem Gebiete umschlossene Stadt Mühldorf gegeben waren, verursachten, daß alle in Bayern oder Österreich getroffenen finanziellen Anordnungen auch Salzburg ihre Wirkung verspüren ließen. So traf insbesondere der erwähnte, am 13. Dezember 1680 von Bayern eigenmächtig erlassene Münzverruf das Erzstift überraschend und umso empfindlicher, als er gleich nach der Ablieferung der von Bayern in solchen nun abgewürdigten Sorten bezahlten Salzgeldern erfolgte. In richtiger Erkenntnis, daß durch Proteste und Rezesse dem Übel nicht abgeholfen, daß trotz Androhung von Lebens- und Leibesstrafen unter Konfiskation der verbotenen Münzen, sowie trotz der Zusicherung von Vermögensvorteilen für die Angeber die gewinnsüchtigen Händler durch Mandate nicht abgehalten werden könnten, die vollwichtigen Münzen gegen Aufgeld zu verkaufen und zur Umprägung in geringhältige Münzen oder zu sonstiger Verarbeitung aus- und dafür minderwertige Münzsorten, insbesonders Scheidemünzen einzuführen, griff Erzbischof Maximilian Gandolph Graf Kuenburg, um seine Untertanen vor weiterem Schaden zu bewahren, - wohl auf den Rat des Münzdirektors Augustin Friedrich Freiherrn v. Hegi - zu einem alten Mittel, - zur Bezeichnung der guten Münzen mit einem Nach- oder Gegenstempel, zur Kontremarkierung. 

Durch diesen Nachstempel sollte auch dem gemeinen, des Lesens und Schreibens unkundigen Manne sinnfällig bedeutet werden, welche Münzen er als vollwertig zu nehmen und zu geben habe, welche Münzen er nicht ausführen, beziehungsweise nicht einlösen dürfe.

Die offiziellen Gegenstempel - wohl zu unterscheiden von Privatüberstempelungen - so prägten z. B. englische Handelsfirmen den spanischen Münzen den Kurswert auf, und von bloßen Sammelmarken, die Münzsammler den Stücken aufdrücken, um hiedurch deren Zugehörigkeit zu ihrer Sammlung zu bezeichnen - kommen auf Gold-, Silber-, Bronze- und Kupfermünzen, ja sogar auf Papiergeldscheinen zu allen Zeiten, im Altertume sowohl, wie im Mittelalter, ja bis in die neueste Zeit und in allen Ländern, europäischen so gut, wie überseeischen, vor. 

Als Gegenstempel wurden im Altertume zumeist Köpfe oder Tierbilder, - bisweilen zur Bezeichnung des Wertes oder der Jahreszahl, Buchstaben und Ziffern - in späterer Zeit die Landeswappen verwendet. Diese Gegenstempel wurden den Münzen meist auf der Vorder-, seltener auf der Rückseite aufgeprägt und tragen die Münzen in der Regel nur einen solchen Gegenstempel, oft aber auch deren mehrere, die ihnen in verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten aufgedrückt wurden.

Am häufigsten fand die Kontremarkierung zu dem Zwecke statt, um einer Münze die Kursfähigkeit im Lande zu verleihen und zu gewährleisten. Auch die Kipper- und Wipperzeit im dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts und die sogenannte kleine Kipperzeit am Ausgang des 17.Jahrhunderts gaben reichlichen Anlaß zur Anbringung von Nachstempeln. 

Was nun die salzburgischen Gegenstempel im besonderen anbelangt, so ist zunächst zu bemerken, daß im Erzstifte zweimal Kontremarkierungen stattgefunden haben.

Die erste Kontremarke zeigt das salzburgische Stiftswappen in zwei verschiedenen Größen und findet sich auf böhmischen Groschen, die wohl durch den nach Böhmen betriebenen Salzhandel ins Land kamen. Es ist anzunehmen, daß diese Kontremarkierung zur Erkenntlichmachung der vollwichtigen Stücke um die Wende des 14. Jahrhunderts erfolgte. Vielleicht geschah dies unter der Regierungszeit der Erzbischöfe Pilgrim II., Gregor oder Eberhard III., als die Herzoge von Bayern, nachdem Erzbischof Ortolf infolge ständiger Verschlechterung des Münzfußes bereits 1355 eine Devalvation des ausländischen Geldes verordnet hatte, die ausländischen Münzen devalvierten, selbst aber ihre Pfennige in einem schlechten Münzfuße ausprägten und dadurch eine Befugnis ausübten, deren sich damals auch andere Münzstände, teils aus eigennütziger Kameralabsicht, teils um fremde, geringhaltige Münze abzuwenden, bedienten. Außer dem Salzburger-Stempel tragen die böhmischen Groschen bisweilen auch noch Nachstempel anderer Länder und Städte, so daß selbst vier Marken nebeneinander auf diesen meist abgeschliffenen Münzen vorkommen.

Die zweite Nachstempelung fällt in die sogenannte "kleine Kipperzeit" und zwar ins Jahr 1681. Diese Marke von ovaler Form mit einer Höhenachse von 8 mm und einer Breitenachse von 4 mm zeigt das Stiftswappen und darüber den Buchstaben S(alzburg) zwischen der geteilten Jahreszahl 16-81. Die Nachahmung dieses Gegenstempels wurde unter die Strafsanktion der Falschmünzerei gestellt. Aus dem Verhältnisse der noch jetzt vorkommenden gemerkten und ungemerkten salzburgischen Münzen jener Zeit kann man folgern, daß nur ein verschwindend kleiner Teil der damals in Umlauf gewesenen Münzen der Nachstempelung unterzogen wurden. Dieser Gegenstempel wurde in- und ausländischen, ganzen und halben, runden und klippenförmigen Talern und anderen Silbermünzen aufgeprägt. Nach dem Stande der heute bekannten, kontremarkierten Stücke sehen wir den Nachstempel am häufigsten auf den Talern des Erzbischofs Max Gandolf Grafen von Kuenburg vom Jahre 1677 und  was außer durch den Handelsverkehr auch durch die Zugehörigkeit der heute tirolischen Pfleggerichte zum Erzstifte zu erklären sein dürfte  auf den vom Erzherzoge Leopold für Tirol geprägten Talern des Jahres 1632. Durch den Gegenstempel ist festgestellt, daß die gemerkten Münzen im Jahre 1681 im Erzstifte in Umlaufe waren. Es bieten somit die gemerkten ausländischen Münzen ein Bild jener Geldsorten, die damals im Lande zirkulierten. Der Umstand, inländischen, ja sogar die unter Max Gandolfs Regierung geprägten Münzen mit dem Gegenstempel zu versehen, konnte aus dem Grunde erfolgt sein, weil man dem gemeinen Manne die Fähigkeit, die inländischen Geldsorten von den ausländischen zu unterscheiden, nicht beimaß und ihm daher in der Marke das ausschließliche Erkennungszeichen der Vollwertigkeit einer Münze bieten wollte; vielleicht sollte sie auch nur der Taxe, des Merkgeldes wegen, stattfinden. Hiebei war für die Bezeichnung einer Münze als vollwertig nicht ihr richtiger Gehalt an Schrot und Korn, sondern ihr Vorhandensein zur Zeit der "Stämpfung" am betreffenden Kommissionsorte maßgebend. Vollwertigkeit bedeutet also hier nicht den vollen inneren Wert der Münze, sondern - den ihr für den Verkehr verliehenen Kurswert. Es erklärt sich hieraus auch das Vorhaben des Erzbischofs, die gemerkten Guldiner als minderwertige Münzen und die anderen geringhältigen Geldsorten allmählich auf seine, beziehungsweise des Erzstiftes Kosten in gute vollwichtige Geldsorten ummünzen zu lassen. Der Umstand, daß die Merkung nicht in der erwarteten Weise vor sich ging, deutet darauf hin, daß die Bevölkerung in dieser Nachstempelung den Vorläufer einer neuen Steuerauflage erblickte. Die Regierung selbst fühlte dies und suchte in ihren Kundmachungen diese Besorgnis zu zerstreuen, indem sie in gar beweglichen Worten immer wieder versicherte, daß jeder sein Geld ohne Scheu sehen und merken lassen könne, da nur die Zahl der vorgewiesenen Stücke des Merkgeldes wegen, nicht aber die Namen der Vorweiser aufgeschrieben würden und daß diese Maßregel lediglich zum Nutzen der Untertanen vorgenommen werde. Die Seltenheit der kontremarkierten Stücke belegt aber, daß es nicht gelungen ist, das Mißtrauen des Volkes zu bannen.

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