Die Sedisvakanz 1772

 

Kraft seiner vom Kaiser übertragenen weltlichen Hoheitsrechte regierte der Salzburger Erzbischof eines der größten geistlichen Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die aktivste Rolle neben dem Erzbischof spielte das Domkapitel. Es war berufen, sowohl bei einer eigentlichen Vakanz beim Ableben eines Landesfürsten als auch bei längerer Behinderung z.B. durch Krankheit, die Zwischenregierung zu führen. Als Erzbischof Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach am 16. Dezember 1771 verstarb, übernahm das Domkapitel die Zwischenregierung, die bis zum 29. April 1772 andauern sollte. Bereits eine Woche nach dem Ableben Erzbischof Schrattenbachs beschloss das Domkapitel die Herausgabe von Schaumünzen in Gold und Silber und beauftragte die beiden Medailleure Matzenkopf (Vater und Sohn) mit dieser Arbeit. Es war dies das einzige Mal, dass das Salzburger Domkapitel während einer Sedisvakanz Medaillen und auch eine Verkehrsmünze ausprägen ließ. Warum dies gerade während dieser Sedisvakanz geschah, ist ungeklärt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit den Vermögenswerten, die man in den erzbischöflichen Gemächern vorfand. Obwohl der Staat beim Ableben Schrattenbachs höchst verschuldet war, fand man an allen möglichen Orten verstreut 203.820 Gulden vor, dazu noch Silber- und Goldmünzen sowie ungemünztes Zillertaler Gold im Wert von 23.000 Gulden. Dieses Geld hatte sich Erzbischof Schrattenbach wohl für sein nahes 50-jähriges Priesterjubiläum aufgespart. Niemand hinderte die Domherren daran, sich dieses Geld anzueignen und unter sich aufzuteilen. Die Medailleure Matzenkopf legten eine genaue Rechnung über ihre Arbeit. Die 23 Domherren erhielten je eine große Goldmedaille zu 20 Dukaten. Die Medaille wurde auch in Silber ausgeprägt. Ferner waren Dukaten auf die Sedisvakanz ausgeprägt worden, die bei den Kapitular-Konferenzen als Präsentmünzen vergeben wurden. Aus der Sedisvakanzrechnung Matzenkopfs geht hervor, dass Vater und Sohn für 2 Dukaten- und 2 Medaillenstöcke 200 Gulden Honorar erhielten. Aus der Wiener Akte A III R. XI ist zu ersehen, dass unter die 23 Kapitulare 23 goldene Medaillen und 6 silberne, also ein Wert von 3.726 Gulden, verteilt wurde; ferner anstatt der Nachttafel bei den 49 Konferenzen Dukaten im Wert von 5.375 Gulden 24 Kreuzer. Von den goldenen Medaillen zu 20 Dukaten wurden 26 Stück, von den silbernen 382 Stück und von den Dukaten 1042 Stück ausgeprägt. 

Anmerkungen :
Gustav Zeller : Des Erzstiftes Salzburg Münzrecht und Münzwesen, K.K. Hofbuchhandlung Heinrich Dieter, Salzburg 1883, S. 27, 100.
Prof. Dr. Max Bernhart-Karl Roll : Die Münzen und Medaillen des Erzstiftes Salzburg, Band II, Verlag Kress & Hornung, München 1923, S. 195 ff.
Günther Probszt : Die Münzen Salzburgs, Graz 1975, S. 215.
Auktionskatalog Günther Schwaighofer 1987 : Münzen und Medaillen des ehemaligen Erzstiftes Salzburg, Vorbemerkungen S. 50
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