Das Münzwesen unter Leonhard von Keutschach

 

Die Not der Hussiten- und Türkenkriege bereitete auch dem Salzburger Münzwesen im 15. Jahrhundert großen Schaden. Die guthaltigen Salzburger Gepräge flossen in Länder mit schlechteren Münzsorten ab. Als man sich daraufhin entschloß, Pfennige mit geringerem Silberanteil zu prägen, wurden jene von den Nachbarländern nicht angenommen. Im Römischen Reiche vollzog sich der Übergang von der Gold- zur Silberwährung. Es waren dies alles Umstände, die Leonhard von Keutschach veranlaßten, auch im Geld- und Münzwesen reformierende Maßnahmen zu treffen. Begünstigt durch den reichen Bergsegen war es möglich, den Verfallstendenzen wirksam zu begegnen. Johann Thenn aus Schwabach konnte um 1500 als Münzmeister nach Salzburg geholt werden. Am 13. April 1501 verpachtete Keutschach das Münzregal an Thenn und beauftragte ihn, mit der Ausprägung von Hellern, Pfennigen, Goldgulden und Dukaten zu beginnen. In den ersten Jahren davor ließ auch Keutschach nur Pfennige schlagen. Diese wurden damals mittels Hammer- und Amboßprägung geschlagen. Erst im Jahre 1500 setzten die Reformen - konform mit der Reichsentwicklung - ein. Der Übergang zur Silberwährung machte die Ausgabe von größeren Silbermünzen notwendig. Ab dem Jahre 1500 ließ Leonhard neben dem Goldgulden zu 288 Pfennigen und dem Dukaten zu 420 Pfennigen in Gold, Batzen zu 16 Pfennigen, Pfennige und Heller zu ½ Pfennig in Silber herstellen. Die große Anzahl der Stempel der Batzen mit der Jahreszahl 1500 belegen einen riesigen Bedarf an dieser neuen Nominale. Im täglichen Handel waren die Pfennige wohl zu klein und die Gulden und Dukaten im Werte schon zu hoch. Die neue Nominale zu 16 Pfennigen waren imstande, den Zahlungsverkehr reibungslos zu sichern. Ab 1512 sollten noch Zweikreuzerstücke und Zehner zu 40 Pfennigen folgen. Die Goldgulden, Dukaten, Batzen, Pfennige und Heller mit der Jahreszahl 1500 wurden unter Verwendung dieser Jahreszahl bis 1508 ausgeprägt. Die berühmteste Salzburger Münze dieser Zeit ist der „Rübentaler” des Jahres 1504. Für diese erste Großsilbermünze Salzburgs (Guldiner) gibt es nur Vermutungen bezüglich des Stempelschneiders. Es liegt die Vermutung nahe, daß der „Rübentaler” nicht in Salzburg, sondern in Hall entstanden ist. Als Stempelschneider käme dann Benedikt Burkhart in Frage. Von dieser Großsilbermünze ( im Gewicht zwischen 31,6 und 53 Gramm ) sind heute noch gesicherte 10 Exemplare ( drei Stempel) erhalten, darunter ein Goldabschlag und zwei Doppelguldiner. Es handelte sich wohl um einen Versuch zur Einführung einer Großsilbermünze in Salzburg, der jedoch erst unter Matthäus Lang in die Praxis umgesetzt werden konnte. Der „Rübentaler” ist nicht nur münzgeschichtlich bedeutend, er stellt gleichzeitig ein baugeschichtliches Dokument dar. Das von den beiden Heiligen getragene Kirchenmodell ist eine der frühesten Darstellungen des romanischen Domes. Johann Thenn kaufte um das Jahr 1513 ein Haus ( des Virgil Hutzinger ) „in der Zell”, also zwischen der heutigen Münzgasse und dem Ende der Getreidegasse gelegen, wo bald darauf die neue Münze eingerichtet wurde. Wo zuvor die erzbischöfliche Münzstätte betrieben wurde, ist nicht gesichert. Es wird vermutet, daß sie entweder in der Hohen-Salzburg oder in der Bischofsresidenz lag. Bis zur Schließung der Münzstätte Friesach 1507 wurden auch dort Batzen, im Volksmund „Rübner” genannt, und zumindest in den Jahren 1505 und 1506 auch Pfennige, geprägt. Ab 1513 folgte zusätzlich die Ausprägung von Halb- und Viertelguldinern sowie von mehrfachen Dukaten ( zwei- bis sechsfach); rund und in Klippenform. Durch die Vervielfachung und Stückelung der Münzeinheiten kamen sohin Münzen in verschiedenen Nennwerten zur Ausgabe. Karl Schulz vermutet, daß auch die übrigen Münzstempel dieser Zeit - zumindest die Urtypen - auf Burkhart zurückgehen. Die routinemäßigen Stempel aufgrund des Materialverschleißes verlegt er in der Entstehung nach Salzburg. Für die Gepräge 1513 ist ebenfalls ein Entstehen in Hall wahrscheinlich und käme als Stempelschneider Ulrich Ursentaler in Betracht. Jedenfalls muß davon ausgegangen werden, daß Salzburg damals für eine Großsilbermünzung noch nicht eingerichtet war. Die Porträtstücke vermitteln den Eindruck von Geschenk- und Belohnungsmünzen. Sie bezeugen vielleicht eindrucksvoll den letzten Widerstand Keutschachs gegen Matthäus Lang und die beabsichtigte Säkularisierung des Domkapitels. Da diese Münzen im Münzfuß ausgeprägt wurden, waren sie natürlich im Zahlungsverkehr verwendbar. Die Klippenprägung dürfte aus ökonomischen und technischen Gründen eingeführt worden sein. Man konnte damit das Durchschlagen oder Lochen der Münzen vermeiden, zumal ein Zerschneiden der Zaine oder Platten in rechtwinkelige Stücke mittels der Schere sich rascher und auch billiger bewerkstelligen ließ.Unter Keutschach erfolgte neben der Einführung neuer Nominale auch die Einführung eines neuen Rechnungswesens. Anstelle des bisher gehandhabten Wiegens war das neue Rechnungswesen auf einem Abzählen des Geldes aufgebaut. Damit ergab sich ein doppeltes Verrechnungswesen: Für rein rechnungsmäßige Durchführungen galt der rheinische Gulden zu 8 Schillingen zu je 30 Pfennige, sohin 240 Pfennige pro Gulden. Im Zahlungsverkehr hingegen hatte man nun den Gulden zu 60 Kreuzer, der Kreuzer zu je 4 Pfennige, dieser zu zwei Heller, was wiederum 240 Pfennige für den Gulden ergibt. Die neue Verrechnungsweise wurde im Bürgerbuche der Stadt Salzburg ab 1508 eingeführt und blieb bis 1731 in Übung. Damit war der Übergang von der Gold- auf die Doppelwährung vollzogen. Schillinge und zunächst auch Kreuzer waren also reine Recheneinheiten und wurden nicht als Nominale ausgeprägt. Erst unter Erzbischof Paris Graf Lodron kommt es zur Einführung der Nominale Kreuzer.Die im Jahre 1500 zur Besorgung des Münzwesens und der Probation errichteten sechs Reichskreise, derem sechsten Salzburg zugeteilt war, wurden 1509 genauer präzisiert. Salzburg hatte seine Münzprobationstage, wie auch Bayern, Österreich und das Bistum Passau, in Regensburg zu halten. Alle Bestrebungen, eine Einigung in den Geldsorten des Römischen Reiches zu erzielen, blieben fruchtlos, bis 1524 eine erste Münzordnung publiziert wurde. Trotz aller Bemühungen von kaiserlicher Seite war es nicht möglich, eine genaue Einhaltung von Schrot und Korn, Größe und Gewicht der Münzen bei den sechs Kreisen zu erreichen.

Münz-Beamte:

Pfennigmeister: ?
Münzmeister: Konrad Eber
Wardein: Wolfgang Puechler
Goldscheider: ?
Eisenschneider: ?
Benedikt Burkhart in Hall
Münzpächter: Hans Thenn
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