Die Medaille 1784

 

Die Medaille des Jahres 1784 von Franz Xaver Matzenkopf wurde bisher mehrfach als Rechtswissenschaftsmedaille oder auch als Prämienmedaille bezeichnet. Diese Medaille muß gesonderten Überlegungen zugeführt werden6).
Die beiden Medaillen des Jahres 1770 von Johann Martin Krafft auf den Bau des Zucht- und Arbeitshauses in Mailand mit den Aversen von Maria Theresia und Joseph II. geben den Anlaß, sich mit dieser Medaille näher zu beschäftigen. Die Reversseiten der drei Medaillen weisen nämlich erstaunliche Gemeinsamkeiten in der Motivwahl auf. Vergleicht man die Reversseiten miteinander, so ergibt sich eindeutig, daß Franz Xaver Matzenkopf die Figurendarstellung als Motiv von Krafft übernommen hat. Anstelle des Zuchthauses bei der Vorlage wurde dann einfach die Stadtansicht von Salzburg verwendet, ein Motivaufbau, der der Wahlmedaille nachempfunden ist. Damit aber nicht genug. Auch zur Aversseite scheint eine teilweise Textanleihe von einer Schulprämienmedaille der Stadt Basel verwendet worden zu sein, bei der es ebenfalls HONOS ALIT ARTES heißt. Der auf Colloredo adaptierte Text der Medaille 1784 lautet : "Die Ehre fördert die Künste und es werden alle zu ruhmreichen Studien angefeuert - durch den weisesten Förderer der Künste und Studien, dem vorsorglichsten Vater der Söhne des Vaterlandes Hieronymus, Erzbischof und Fürst von Salzburg."

Worin liegt also die Motivation für diese sonderbare Zusammenstellung bereits vorgegebener Darstellungen ? Als Motiv dafür kämen in Frage :

* ein Auftrag durch den Landesfürsten
* ein Lehrstück des in Ausbildung stehenden Franz Xaver
* ein Geschenkstück, um an der Münze angestellt zu werden
* eine Geschicklichkeitsprobe zur Hebung des Ansehens
* eine Talentprobe zum Erhalt einer Ausbildungsförderung

Ein Auftrag Colloredos ist als unwahrscheinlich zu bezeichnen, da die Medaille äußerst selten vorkommt, also nicht für die Ausprägung in Serie bestimmt war. Die unterschiedlichen Themen der Vorder- und Rückseite (Förderung der Bildung - Gerichtsbarkeit) schließen eine Verwendung aus. Außerdem hätte Colloredo einer so weitgehenden Verwendung von Motivanleihen für ein eigenständiges Salzburger Gepräge wohl kaum zugestimmt. Gegen ein Lehrstück spricht, dass reine Übungsarbeiten wohl kaum in Silber ausgeprägt worden wären. Im Jahre 1784 war Franz Xaver gerade 22 Jahre alt und hatte noch keine ausreichende, vor allem auswärtige, Ausbildung genossen. In diesem Stadium eine Anstellung anzustreben, wäre weit verfrüht gewesen. Die vorliegende Medaille als einen Versuch zur Wiederherstellung des Familienrufes zu betrachten, wäre verfehlt. Man würde sich dabei doch kaum auf eine Imitation verschiedener Vorbilder beschränken und sich so dem Vorwurf der Einfallslosigkeit aussetzen. Somit bleibt zu guter Letzt die Möglichkeit, dass es sich um eine Talentprobe gehandelt hat, um Colloredo von der Förderungswürdigkeit einer weiteren, nun auswärtigen Ausbildung des jungen Franz Xaver, zu überzeugen. Betrachtet man die Medaille, so fällt auf, dass alle wesentlichen Motivelemente, welche die handwerklichen Fähigkeiten eines Stempelschneiders veranschaulichen, mit Ausnahme des Porträts, vereint sind. Eine Porträtprobe hatte Franz Xaver ja schon mit dem Nachschnitt zur Wahlmedaille geliefert. Als Vorlage zur Medaille 1784 diente eine Arbeit des in Wien tätigen Johann Martin Krafft, der bereits zur Zufriedenheit Colloredos tätig gewesen war. Auch waren solche Nachschnitte als Talentprobe in Salzburg gebräuchlich. Bis 1784 stand Franz Xaver ausschließlich bei seinem Vater in Ausbildung. Um nun vom Erzbischof eine finanzielle Unterstützung für eine auswärtige Ausbildung zu erlangen, musste diesem die Sinnhaftigkeit einer solchen vor Augen geführt werden. Dazu diente wohl die Medaille 1784 als Talentprobe. Offenbar überzeugte die Arbeit, denn Franz Xaver konnte von 1784 an sein Können in Wien und danach in Dresden vervollkommnen und wurde dabei von Colloredo finanziell unterstützt. Geht man davon aus, dass obige Medaille nur eine Talentprobe sein sollte, wird auch erklärbar, warum sich Avers und Revers thematisch unterscheiden. Das Stück sollte ja nicht in den Verkehr gelangen. Mit den beiden Themen aber wurde dem Fürsten geschmeichelt, da die Förderung der Bildung und die Gerichtsbarkeit besondere Anliegen Colloredos waren und seinen aufklärerischen Idealen entsprachen.
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