Colloredo: Medaillen aus Anlaß der Wahl

 

Hieronymus Graf von Colloredo-Waldsee wurde am 14. März 1772 nach fünf Wahltagen mit 13 Abstimmungen zum Salzburger Erzbischof erwählt. Gleich seinen Vorgängern wünschte auch Hieronymus die Erinnerung an seine Wahl zum Erzbischof von Salzburg durch die Prägung einer Medaille3) festzuhalten. So schrieb er am 29. August 1772 an den Salzburger Abgeordneten Gottfried Ludwig von Moll : "Da wir mit einem guten Medaillenstock für unser hiesiges Münzamt versehen sein möchten, der alte Medailleur Matzenkopf aber aus Abgang des Gesichtes nicht wohl mehr fortkommen kann, der junge hierin aber noch nicht so sattsam geübt ist, so hast Du mit dem Dir wohlbekannten v. Sperges zu sprechen und selbigen in unserem Namen zu ersuchen, daß er für eine dergleichen Devisenmedaille, wo auf einer Seite das Porträt, auf der anderen oder Reverse aber einen auf unsere so harten Zeiten angetretene Regierung, oder was ihm sonst beifallen möchte, schicklichen Gedanken mit einem Wahlspruche zu entwerfen und uns eine Abzeichnung hievon zusenden möchte, um uns zur Anfertigung einer dergleichen Medaille entschließen und solche sodann in Wien gravieren lassen zu können." Die Wahl fiel auf den in Wien tätigen Johann Martin Krafft. Am 8. August 1772 erbat Moll einen Befehl bezüglich der Größe der zu schaffenden Medaille und eröffnete Colloredo am 12. August folgendes : "Die Größe der von Freiherrn v. Sperges4) zu entwerfenden Schaumünze ist uns an sich selber gleichgültig, jedoch sind wir damit einstimmig, dass dieselbe etwas kleiner als ein Taler sein möge, um solche auch benötigtenfalls zu Medaillen in Gold auf mehrere oder mindere Dukaten gebrauchen zu können, worüber vermeldter Herr v. Sperges Dir tunlichst an die Hand zu gehen vermag."

In weiterer Folge entwarf Sperges eine Rückseite für die Medaille, die Krafft gewappiert hatte. Dieser nicht zur Ausführung gelangte Entwurf sah vor : "Es ist das Bild der Hoffnung, die Zeit kauert neben ihr, redet sie an und deutet auf ein dabeiliegendes Füllhorn. Umschrift : Felix temporum reparatio; die Exergue enthält die gemäß des oben ausgesprochenen Wunsches auf die schwierigen Verhältnisse zur Zeit des Regierungsantrittes hinweisende Schrift : Gubernacula difficilimis temporibus suspecta." Zur Ausführung gelangte schließlich die unter Nr. 1 gezeigte Medaille. Mit den Stempeln von Krafft entstanden sodann in der Salzburger Münze Goldmedaillen zu 12, 10, 8 und 7 Dukaten; Silbermedaillen unterschiedlichen Gewichtes, einteilbar in drei Gewichtsgruppen : 17 bis 17,5 Gramm; 23,6 bis 24,5 Gramm und 28 bis 29,6 Gramm; sowie Abschläge in Bronze und Zinn. Die Medaille wurde aus Anlaß der Wahl an hohe Würdenträger vergeben und fand in der Folge als eine Art Zivilverdienstmedaille Verwendung. Als der Erzbischof im Jahre 1786 an seinem Wahltag, dem 14. März, eine große Hoftafel gab, ließ er an die Gäste solche Wahlmedaillen verteilen. Johann Martin Krafft erhielt laut Quittung vom 24.2.1774 100 kaiserliche Dukaten, das sind 426 Gulden 40 Kreuzer, durch den salzburgischen Ministerpräsidenten Vacano in Wien als Werklohn für seine Medaillen ausbezahlt. Die Stempeleisen sind in der staatlichen Münzsammlung München erhalten.

Hieronymus Graf Colloredo-Waldsee wollte anfänglich einen Wahlspruch, der auf die harte Zeit, in der er die Regierung antrat, hinweist, auf seine Medaillen setzen lassen, lehnte aber die von Sperges vorgeschlagene Devise "FELIX TEMPORVM REPARATIO" - "Fruchtbringend sei die Erneuerung der Zeiten" ab und entschied sich letztlich für den Wahlspruch : "PROVIDVM IMPERIVM FELIX" - "Glücklich ist eine voraussehende Regierung". Die Hauptlegende des Landesfürsten lautet : HIERONYMUS D(ei) G(ratia) A(rchiepiscopus) S(edis) L(egatus) N(atus) G(ermaniae) PRIM(as) = Hieronymus, von Gottes Gnaden Fürsterzbischof von Salzburg, des Apostolischen Stuhles geborener Legat, Primas von Deutschland.

Die mit dem Wahljahr 1772 datierten Medaillen des Johann Martin Krafft wurden nicht nur im Antrittsjahr geprägt, sondern je nach Bedarf auch in den Folgejahren. Der vermehrte Einsatz auch als eine Art Zivilverdienstmedaille gab vermutlich den Anlaß zu dem Auftrag an den eigenen Medailleur Franz Matzenkopf II., den Krafftschen Stempel nachzuschneiden. Mit der Matzenkopfschen Exprimierung sind nun vier weitere Averse und drei weitere Reverse bezeichnet, die sich im Vergleich zum Urstück schärfer und härter ausnehmen. Wenn auch die Nachschnitte mit dem Wahljahr 1772 datiert sind, ist ihre Entstehung wesentlich später anzusetzen, da davon auszugehen ist, daß mit den Krafftschen Stempeln bis an die Grenze der Brauchbarkeit geprägt wurde. Franz Matzenkopf II. wird nun der Nachschnitt einer Wahlmedaille im Durchmesser von 44 mm (bei Krafft 38 mm) zugeschrieben. Im Unterschied zu Krafft findet sich die für Matzenkopf II. typische, etwas plumper und gröber erscheinende Porträtdarstellung, die Colloredo schon bei den Talern des Jahres 1772 mißfallen hatte. Das Stück ist mit MAZENKOPF F. signiert, und die Stadtansicht ist auf der Südseite gekürzt. Möglicherweise ist das im Porträt abweichende Erscheinungsbild die Erklärung für die außerordentliche Seltenheit dieser Stücke, die nur als fünfzehnfacher Dukat in einem Stück, als Silberabschlag zu einem Stück und als Zinnabschlag zu 2 Stücken bisher bekannt sind. Die Stempeleisen sind in der staatlichen Münzsammlung München erhalten.
Matzenkopf II. scheint für diesen Nachschnitt keine Entlohnung erhalten zu haben, weil es in dem Berichte des Münzamtes vom 1. März 1800 heißt, daß sich hiefür in den amtlichen Rechnungen keine besonderen Auslagen vorgefunden haben und auch nicht bekannt ist, daß Matzenkopf eine besondere Belohnung aus höchst eigener Hand Colloredos oder durch das Kameral-Zahlamt erhalten hätte.
Nach einer Verfügung vom 5.4.1802 wurde dem Thomas Denk für die Rettung einer Bäuerin aus einer Feuersgefahr eine größere silberne Wahlmedaille bestimmt. Die Stempel zu 44 mm dürften hauptsächlich zur Ausprägung schwerer Dukatenstücke bestimmt gewesen sein, da beim Durchmesser von 38 mm mit 12 Dukaten wohl stärkemäßig das höchste mögliche Gewicht erreicht war.


Die Nachschnitte zu den kleineren Wahlmedaillen im Durchmesser von 33 mm werden bisher dem Franz Xaver Matzenkopf zugeschrieben. Dies scheint für den flach ausgeprägten Nachschnitt mit der Signatur MAZENKOPF F. im Avers und FM in der Bodenlinie des Revers (siehe Nr. 11) unzutreffend. Das Porträt ist ähnlich plump und grob wie bei der großen Wahlmedaille. Die Buchstaben der Legende sind groß und unförmig und schwimmen gewissermaßen in der Zeile. Ferner ist die Gebirgsdarstellung im Revers spitz und mit der der großen Medaille vergleichbar. Das Stück ist meiner Ansicht nach daher wohl dem Franz Matzenkopf II. zuzuordnen. Damit wären auch die Ausführungen des Julius Schilling in seinem Nachruf auf Franz Xaver Matzenkopf konform : "Von den Medaillen war die erste Arbeit des jungen Künstlers ein Nachschnitt von Hieronymus Wahlmedaille in Halbtalergröße, die er seinem hohen gütigen Fürsten weihte." Damit kann aber nur das im Avers mit F.M. signierte Stück gemeint sein. Dieses Stück weicht erheblich von den beiden anderen ab. Das Porträt ist dem von Krafft geschaffenen stark nachempfunden, ist wesentlich erhabener und von feinem, scharfem, klassischem Schnitt. Gesichtszüge, Haartracht, Faltenwurf und Pectorale sind künstlerisch betonter dargestellt. Die Buchstaben sind feiner und ebenmäßiger, alles Merkmale, die für den Vater nicht zutreffen. Hinzu tritt im Revers eine runde Darstellung der Berge, wie sie auf der Medaille 1784 vorkommt. Die Reversseite der Wahlmedaille trägt keine Signatur und weist eine fehlerhafte Jahresangabe, nämlich 1672, auf. Bisher nicht katalogisiert ist ein weiteres Avers mit der seitlich versetzten Signatur MAZENKOPF, welches als Avers sowohl zur Wahlmedaille als auch zur Medaille auf das 1200-jährige Stiftsjubiläum eingesetzt wurde. Die Wahlmedaillen Colloredos zeigen auch die Praxis von Stempelkoppelungen an der Salzburger Münze auf. Die Stempeleisen sind, mit Ausnahme jener mit der Signatur MAZENKOPF F. und der richtigen Jahreszahl, in der staatlichen Münzsammlung München erhalten.

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