Pius VI
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Gianangelo Graf Braschi, der spätere Papst
Pius VI., wurde am 25. Februar 1717 in Cesena geboren. Er war seit 1766
Schatzmeister der Apostolischen Kammer und ab 1773 Kardinalpriester von
San Onofrio. Pius, jähzornig,
ehrgeizig und eitel, ließ den Nepotimus wieder aufleben und begann
seine Regierung mit einem Edikt gegen die Juden, das neue Demütigungen,
Drohungen und Gewalttätigkeiten zur Folge hatte. Diese Vorgangsweise
stand im Widerspruch zu den Josephinischen Reformen. Die
Reformfreudigkeit des aufgeklärten Absolutismus war allgemein auf
Gesellschaft und Staat ausgerichtet, versuchte eine zentralistische
Verwaltung zu schaffen und duldete so keine Konkurrenz. Kaiser Joseph
II. begann gemäß diesem Gedankengut auch in religiöse Belange
einzugreifen. Im Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781 gestattete er die
freie - wenn auch nichtöffentliche - Religionsausübung laut der aufklärerischen
Tradition der Toleranz. Den Protestanten wurde es so gestattet, Bethäuser
ohne Glockenturm und Geläute und ohne Eingang von der Straßenseite her
zu bauen. Schon 1782 hatten sich 73.722 Protestanten in 28 Kirchen
organisiert (im Jahre 1787 waren es bereits 156.865 in 154
Kirchen.Daraufhin begann selbst der tolerante Joseph II. den Übertritt
zum Protestantismus zu erschweren). Am 2. Jänner 1782 veröffentlichte
der Kaiser noch ein Toleranzpatent für die Juden. Diese Gesetzgebung
beunruhigte zunehmend die katholische Kirche. Von katholischer Seite
wurde vor allem der Eingriff des Staates in die inneren Angelegenheiten
der Kirche abgelehnt. Am 22. Februar 1782 traf der Papst in Wien zu
einem Besuch ein, um der Gefahr dieser Reformen zu begegnen. Er
erreichte beim Kaiser aber keine Milderung oder Änderung der Maßnahmen.
Ein Jahr später stattete der Kaiser in Rom seinen Gegenbesuch ab. Die Erklärung der Menschenrechte zu Beginn
der französischen Revolution beantwortete der Papst mit dem Breve „Quod
aliquantum”, das Menschenrechte, Gedankenfreiheit, Redefreiheit und
Pressefreiheit als Ungeheuerlichkeiten verdammte. Den in den
Kirchenstaat eindringenden Ideologien stand der Papst aber fortan
machtlos gegenüber. Er kam in akute Gefahr, als Napoleon den Oberbefehl
über die Truppen in Italien erhielt und mit der Eroberung begann.
Im Frieden von Tolentino wurde der Papst gezwungen, auf Avignon und das
Venaissin zu verzichten. Er hatte 46 Millionen Goldscudi zu zahlen. Am
10. Februar 1798 wurde Rom durch den General Berthier besetzt, am 15.
Februar 1798 wurde der Papst für abgesetzt erklärt. Pius VI. wurde als
Gefangener nach Frankreich gebracht. Er starb im Exil in Valence. |