Urban VIII

 

Maffeo Barberini, der spätere Papst Urban VIII., wurde am 5. April 1568 in Florenz geboren.

Unter seinem Pontifikat, das von familienpolitischen Überlegungen geleitet war, erreichte der Nepotismus seinen Gipfel. Urban, sehr von sich eingenommen, entwickelte sich zu einem absoluten Monarchen. Während der Dreißigjährige Krieg mit seinem unsagbaren Elend den Höhepunkt erreichte, brachten die maßlosen Zuwendungen des Papstes an seine Nepoten die Staatskasse des Kirchenstaates ins Schwanken. Hundertfünfzehn Millionen Goldscudi und Erträge aus zwanzig Pfründen machten die Barberini zu den größten Grundbesitzern des Staates. Es war daher nicht weiter verwunderlich, dass Urban die kaiserliche Partei im Dreißigjährigen Krieg nur mäßig unterstützte. Ihm war nur die Ruhe im Kirchenstaat, nicht aber die sonstige Politik wichtig. 

In Frankreich erreichte inzwischen Kardinal Richelieu eine nahezu unüberwindbare Machtposition. Er verbündete sich mit dem protestantischen Gustav Adolf von Schweden gegen Kaiser Ferdinand II.. Den Papst interessierten all diese Vorgänge nur mäßig und wandte er seine Aufmerksamkeit vornehmlich auf Italien. Mit dem Tode des Herzogs Vincenzos II. Gonzaga von Mantua begann allerdings nun ein auch für den Papst gefährlicher Erbfolgekrieg und stieg die Kriegsgefahr für Italien. Zunächst neutral, stellte Urban dann doch ein päpstliches Heer auf, als der Kaiser vorzurücken begann. Die Macht des Kaisers und Wallensteins missfiel bereits den Reichsfürsten, was Richelieu vortrefflich auszunützen verstand. Am Kurfürstentag von Regensburg konnten die Entlassung Wallensteins und die Verkleinerung des Reichsheeres durchgesetzt werden. Carlo Gonzaga wurde als neuer Herzog von Mantua anerkannt. Damit war auch für den Papst die Gefahr gebannt. Nach der Einverleibung des Herzogtums Urbino hatte der Kirchenstaat die größte Ausdehnung in seiner Geschichte erreicht. Ein Versuch, sich auch das Herzogtum Castro einzuverleiben, schlug fehl. 1633 verurteilte die Inquisition die Lehre des Galileo Galilei. Mit der Bulle „In eminenti” verurteilte Urban den Jansenismus, dessen Hauptgegener damals die Jesuiten waren. Urban, ein Freund der Wissenschaften und der Künste versuchte sich als Dichter und beschäftigte eigene Musiker am Hof, um seine Dichtungen mit Musikbegleitung vortragen zu können. Die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo entstand in seiner Zeit. Die Peterskirche wurde reich ausgestattet. Durch die Maßlosigkeit dieses Papstes betrug am Ende des Pontifikates die Staatsverschuldung fast vierzig Millionen Goldscudi, dies trotz der für das Volk kaum mehr zu erfüllenden Steuerlast.

Urban VIII. starb im Alter von sechsundsiebzig Jahren am 29. Juli 1644.

 

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