Kaiser
Franz II./I.
1806
-- 1810
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Franz, Erzherzog von Österreich,
wurde am 12. Februar 1768 als zweites von insgesamt sechzehn Kindern in
Florenz geboren. Seine Eltern waren Leopold, Erzherzog von Österreich, ab
1765 Großherzog von Toskana, ab 1790 römisch deutscher Kaiser und König
von Ungarn, ab 1791 auch König von Böhmen, sowie Marie Luise Ludovica
,Tochter des Königs Karl III. von Spanien aus dem Hause Bourbon. Als die Nachricht von seiner Geburt in Wien eintraf, eilte Maria Theresia ins Burgtheater und rief von der kaiserlichen Loge aus ins Publikum: „Kinder, Kinder, der Poldl hat an Buam!" Die Vorstellung wurde unterbrochen und die Besucher jubelten der Großmutter zu - die Freude war verständlich, die Thronfolge im Hause Habsburg-Lothringen war gesichert. „Er hat Verstand, ist aber ein wenig langsam“, urteilte acht Jahre später eine Tante über Franz. Die Erziehung des Kleinen, der zunächst in Florenz heranwuchs, wurde von Beginn an sorgfältig geplant und überwacht. Die Erziehungsideale des Vaters waren geprägt von der Aufklärung. Seine Kinder sollten ohne Standesdünkel „zu gewöhnlichen Privatmenschen und Staatsdienern“ heranwachsen. Dazu wurde bereits zu Kurfürst Ferdinand ausgeführt. Als Franz sechzehn Jahre alt war, holte ihn sein Onkel, Kaiser Joseph II., der keine Kinder hatte, nach Wien, um ihn zum Nachfolger auszubilden. Nach dem Tode Josephs II. 1790 und dem seines Vaters Leopold II. war es soweit. Am 1. März 1792 trat Erzherzog Franz in Wien die Nachfolge an. Bereits am 20.4.1792 überschattete die Kriegserklärung von Frankreich an Österreich und Preußen (1.Koalitionskrieg) diesen Regierungsantritt. Am 6.6.1792 erfolgte die Krönung zum König von Ungarn, am 5.7.1792 in Frankfurt die Wahl zum römisch deutschen Kaiser, am 14.7.1792 die Kaiserkrönung, am 9.8.1792 die Krönung zum König von Böhmen.
Das erste Regierungsjahr
des vierundzwanzigjährigen Kaisers stellte an ihn ungewöhnliche
Anforderungen, denen er kaum gewachsen schien. Er verließ sich zunächst
auf den Rat seiner Erzieher und auf bewährte Berater seiner Vorgänger.
In den folgenden Koalitionskriegen ging es Franz ebenso um die
Wiederherstellung der absoluten Monarchie wie um Landeserwerb. Schon der
erste Ansturm scheiterte bei Valmy. An der Italienfront siegte der junge
Napoleon Bonaparte, der dem Reich den Todesstoß versetzen wollte. Schon
1797 war das linke Rheinufer von Basel bis zur Mündung in der Hand der
Franzosen. Mit Friedensschluss von Campo Formio verlor Österreich die österreichischen
Niederlande und die Lombardei an Frankreich. Mit Kriegserklärung vom
12.3.1799 begann der 2.Koalitionskrieg und Österreich verlor mit dem
Friedensschluss von Luneville weitere Gebiete, darunter auch die Toskana.
Die Verhältnisse im Reich entglitten dem Kaiser, sogar sein Kaisertum an
sich schien gefährdet. Franz II. reagierte auf die Situation des
zerfallenden Römischen Reiches Deutscher Nation mit der Mitteilung an die
Staatskonferenz am 10.8.1804, dass er den Titel „Kaiser von Österreich“
annehmen werde. Am 11.8.1804 wurde Kaiser Franz II. Kaiser von Österreich
(erbliches Kaisertum) und nannte sich ab diesem Zeitpunkt Franz I. Am
6.8.1806 legte er schließlich die römisch deutsche Kaiserkrone nieder.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte damit aufgehört zu
existieren. Trotz des Hasses auf Napoleon verheiratete Franz I. am 1.April
1810 seine Tochter Marie Luise mit dem Korsen. Aus den Befreiungskriegen
1813 bis 1815 ging Österreich mit einer Ländermasse hervor, wie sie kein
Habsburger zuvor besessen hatte. 1805 war Österreich auch das Kurfürstentum
Salzburg zugefallen. Am 14.Jänner 1806 wurden die Salzburger - und
Berchtesgadener - aus dem Erbhuldigungseid zu Kurfürst Ferdinand
entlassen. Mitte Februar unterzeichnete Franz I. die Urkunde über die
Besitznahme. Die Lebensführung von
Franz I. war einfach und von Nüchternheit geprägt. Außer bei festlichen
Anlässen trug er stets einen schlichten Bürgerrock. Gerade und liebenswürdig,
hatte er einen trockenen Witz, der ihn überall beliebt machte. Seine
Gewohnheit, selbst die kleinsten Aktenstücke genau zu studieren und höchstpersönlich
zu erledigen, brachte es mit sich, dass sich in den Kanzleien große Rückstände
ansammelten. In Stunden der Freizeit versuchte sich Franz I. als Tischler
und widmete sich der Bestimmung von Pflanzen und Käfern. Im Theater
gefielen ihm Lustspiele und Volksstücke am besten. Franz I. war sehr
familienbezogen. Insgesamt hatte der Kaiser dreizehn Kinder, von denen
aber sechs frühzeitig verstarben. In kulturpolitischen Angelegenheiten
verfolgte Franz die josephinische Linie, also Staatskirchentum, religiöse
Toleranz und Förderung des Schulwesens. Für Kunst und Literatur zeigte
er hingegen wenig Sinn. Auf wirtschaftlichem Gebiet ergingen zahlreiche
Reformen. Die vielen unter Franz in Böhmen und Mähren errichteten
Textil- und Maschinenfabriken gingen 1918 für Österreich verloren. |