Kurfürst Erzherzog Ferdinand

1803 -- 1806

 

 

Ferdinand Joseph Giovanni Battista wurde am 6.Mai 1769 als drittes von insgesamt sechzehn Kindern in Florenz geboren. Seine Eltern waren der spätere römisch deutsche Kaiser Leo­pold II., Erzherzog von Österreich, ab 1765 Großherzog von Toscana, ab 1790 römisch deutscher Kaiser und König von Ungarn und ab 1791 König von Böhmen, sowie Marie Luise Ludovica, Tochter des Königs Karl III. von Spanien aus dem Hause Bourbon. Den Namen Ferdinand erhielt er von seinem Taufpaten, Onkel und späteren Schwiegervater Ferdinand IV., König von Neapel­Sizilien, den Zweitnamen Joseph nach dem väterlichen Bruder Kaiser Joseph II., dem männlichen Oberhaupt der Familie, und den Drittnamen nach dem Schutzheiligen der Stadt Florenz, Giovanni Battista, Johannes der Täufer. Es war ein Zufall, dass sich Kaiser Joseph II. bei der Geburt Ferdinands gerade in Florenz befand. Der Kaiser be­nutzte die Taufe, um den Toskanern zu erklären, dass dieser Ferdinand einmal ihr Herrscher sein würde, während sein älterer Bruder Franz als Erbe der österreichischen Länder vorgesehen sei. Kaiser Joseph war 27 Jahre alt, als Ferdi­nand zur Welt kam. Er hatte bereits eine Ehe mit Isabella Bourbon-Parma hinter sich, die nach nur dreijähriger Ehe verstorben war. Mit ihr hatte er eine einzige Tochter, also keine männlichen Nachkommen für die Thronfolge. Die Ehe mit Josepha von Bayern war gescheitert, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach ihrem Tod war der Kaiser fest entschlossen, nicht mehr zu heiraten. Diesem Entschluss des Onkels, weiterhin ehelos zu bleiben und damit auf legale Kinder zu verzichten, hatte es Ferdinand in hohem Maß zu verdanken, dass er später Großherzog der Toskana werden sollte. Damit aber war das Heranwachsen und die Erziehung der beiden Brüder nicht mehr nur Angelegenheit der Eltern, sondern der gesamten kaiserlichen Familie. Die Eltern mussten sich bei der Auswahl der Erzieher und Lehrer den Vorschlägen Wiens fügen, wollten sie nicht die Zukunft ihrer Kinder gefährden. Ab jetzt standen die Brüder im Mittelpunkt des Interesses der zahlreichen Mitglieder des Erzhauses und der anderen großen Familien Europas. Zum ersten Mal sollten ein Thronfolger und seine Geschwister nicht in Wien, sondern in Florenz groß werden. Ferdinand und seine Geschwister wuchsen im Palazzo Pitti, der Residenz der toskanischen Fürsten, heran. Der Vater überließ in der Erziehung der Kinder nichts dem Zufall. Alles wurde von ihm nach langer Überlegung und Prüfung aller erreichbaren Ratschläge festgelegt. Der Tagesablauf war den Kindern bis in alle Einzelheiten vorgeschrieben. Es wurde angestrebt, die Kinder davor zu bewahren, dünkelhaft und überheblich zu werden und sich für besser als andere zu halten. Sie sollten so erzogen werden, dass sie mit „Leuten aller Art“ verkehren konnten, sie durften keinen ihrer Bekannten bevorzugen. Wesentliche Punkte des Erziehungsprogrammes waren das Er­lernen eines guten Umganges mit Menschen, Mehrsprachig­keit, Pflege des Interesses für angewandte Naturwissen­schaften und eine früh zu entwickelnde Verantwortung für Glück und Wohlfahrt der Untertanen sowie ein Gefühl für das Land und dessen Eigenart.

 

 

Franz und Ferdinand waren sehr unterschiedlich. Sie strit­ten viel und rauften, wie Kinder dies eben tun. Der Ältere reizte den Jüngeren und beklagte sich dann über ihn. Ferdi­nand scheint sehr gleichmütig und unempfindlich gewesen zu sein. Auch war er öfters krank und man musste daher auf ihn Rücksicht nehmen. Der erste Hofmeister der Brüder (Ajo genannt) war Franz Graf Colloredo-Waldsee. Maria Theresia hatte ihn ausgesucht. Ab 1775 kam als weiterer Er­zieher der Marchese Frederigo Manfredini dazu, welcher der eigent­liche Mentor und Vertraute Ferdinands werden sollte. Der Vater entwarf 1774 einen Stufenplan für die Ausbildung seiner Söhne. Danach waren als erste Stufe vier Sprachen, nämlich Italienisch, Französisch, Deutsch und Latein zu er­lernen, daneben Katechismus, Geschichte und Geografie. Bloß tägliche eineinhalb Stunden verblieben den Knaben zum Spielen. Diese Ausbildung dauerte zwei Jahre. Danach hatte Manfredini zusätzlich auch Staatsrecht zu lehren. Sigismund Graf Hohenwart wurde von Wien nach Florenz be­ordert, um die Knaben in Geschichte zu unterrichten. In diesen Jahren der gemeinsamen Erziehung - mittlerweile war auch noch der jüngere Karl hinzugekommen - blieb Ferdinand im Unterricht etwas zurück. Er überließ zudem dem älteren Franz die führende Rolle. Dieser musste schon im Kindesalter zusätzlich militärischen Unterricht nehmen, was Ferdinand erspart geblieben sein dürfte. Einen Sinn für das Militärische hat er auch sein Leben lang nicht entwickelt. Die Jahre vergingen zunächst bei intensivem Studium, wenig Spiel und Freizeit. Über Wunsch Kaiser Josephs II. sollte nun die Ausbildung des älteren Franz ab 1784 nicht mehr in Florenz, sondern in Wien erfolgen. Hauptargument des Kaisers war, dass das künftige Oberhaupt der Familie von den Geschwistern getrennt werden müsse, um später die erforderliche Distanz zu haben. Ferdi­nand hingegen verblieb in der Toskana, Manfredini rückte zu seinem Ajo auf. Für Franz brachte die Erziehung in Wien ein gewisses Maß an Härte und Selbstbewusstsein, Eigenschaften, die Ferdinand abgingen. Dieser war von Herzen gut, offen, freundlich und vertrauensvoll. Mutige Entscheidungen waren nicht seine Sache, er ließ vielmehr manches auf sich zukommen, in der Hoffnung, die Probleme würden sich von selbst lösen.

Der ursprüngliche Plan des Kaisers sah vor, die Toskana zu einer Provinz Österreichs, mit Ferdinand als Gouverneur, zu machen. Der vorzeitige Tod des Kaisers sollte alles wieder verändern. Ferdinands Vater folgte dem verstorbenen Bruder als römisch deutscher Kaiser Leopold II. nach. Noch von Florenz aus entschied er sich dafür, lange geplante Ehen zwischen seinen Kindern und jenen seiner neapolitanischen Schwester unter Dach und Fach zu bringen. Mit Dreifachhoch­zeit vom 19.September 1790 heiratete Erzherzog Franz die Marie Therese von Neapel, Erzherzog Ferdinand die Marie Luise von Neapel und Prinz Karl die Erzherzogin Marie Klementine. Franz und Ferdinand sahen ihre für sie bestimmten Frauen kurz vor der Trauung zum ersten Mal. Durch diese Hochzeit bekam jeder der sechs Eheleute je einen Onkel und eine Tante zu Schwiegereltern, eine verwandtschaftliche Ver­flechtung, die Folgen haben sollte. Am 21. Juli 1790 nahm Leopold II. die Übertragung der groß­herzoglichen Würde an seinen Sohn Ferdinand vor. Am 30. September folgte er selbst dem Bruder in der Kaiserwürde nach. Beim Einzug des nunmehrigen Großherzogs Ferdinand III. von Toskana bot Florenz alles auf, um dem Souverän zu würdigen. Kaiser Leopold blieb, von einer Verkühlung an der Reise nach Wien gehindert, noch einen Monat dort. Als sich Ferdinand von seinem Vater verabschiedete, sah er ihn zum letzten Mal. Zehn Monate später verstarb Leopold II. in Wien. Unmittelbar nach seinem Tod begann die endlose Reihe von Kriegen, die den Kontinent mehr als zwei Jahrzehnte nicht zur Ruhe kommen ließ. Der ältere Bruder, Franz, war nun Oberhaupt der Familie und folgte dem Vater als römisch deutscher Kaiser Franz II. nach . Die Frage war nun, ob man die Toskana aus den Wirren heraushalten konnte, in die die Französische Revolution Europa gestürzt hatte. Am 20. April 1792 erging die Kriegserklärung Frankreichs an Franz II., der Erste Koalitionskrieg begann. Acht Tage  später ließ Großherzog Ferdinand III. das Gesetz über die Neutralität Livornos und der anderen toskanischen Häfen neu veröffent­lichen und erklärte die Neutralität zum Grundgesetz. Sehr zur Verärgerung des Kaisers nahm die Toskana diplomatische Beziehungen zu Frankreich auf, und Ferdinand gestattete den Franzosen freien Durchmarsch zwecks Einfall in den Kirchenstaat. Während in der Folge ganz Oberitalien der französischen Herrschaft unterworfen wurde, konnte Ferdinand die Toskana selbständig weiterregieren. Für die Toskaner waren dies freilich keine ruhigen Zeiten. Die Anhänger republikanischer Ideen begannen sich zu rühren. In Arezzo gab es einen Aufstand, der nur durch die Herabsetzung des Brotpreises, den Einsatz von Militär und harte Strafen für die Unruhestifter niederge­schlagen werden konnte. Im November 1798 erreichte der Krieg neuerlich die Toskana. Der Zweite Koalitionskrieg begann in Italien. Die neapolitanischen Truppen marschierten in den Kirchenstaat ein. Ferdinand wurde angekündigt, dass eine Division Livorno besetzen würde. Am 16.März 1799 wurde durch die Franzosen die bevorstehende militärische Besetzung der Toskana angezeigt. Damit war es mit der Neu­tralität vorbei. Am 27.März 1799 verließ Fer­dinand III. mit Frau und vier Kindern Florenz; die Toskana war ein von französischen Truppen besetztes Land geworden.

Ferdinand III. erhielt vier Jahre lang Exil in Wien. Die Familie lebte im Amalientrakt der Wiener Hofburg, im Sommer in Schönbrunn, öfters auch in Laxenburg. Von hier aus ver­suchte Ferdinand die Vorgänge in seinem Land zu verfolgen. Er hatte nicht darauf verzichtet, sondern lediglich zugestanden, vor einem allgemeinen Frieden nicht in die Toskana zurückzukehren. Ferdinand lebte in den Wiener Jahren von dem, was Franz Stephan von Lothringen und später Joseph II. als eine Art Habsburger Ausgleichsfonds geschaffen hatten, nämlich 20.000 Gulden im Monat. Nach dem Ende der Koalitionskriege und als Ergebnis des Friedens von Luneville stand für Ferdinand als Entschädigung für die Toskana ein Staat mit Salzburg, Berchtesgaden, Eichstätt und Passau bereit. Eine Reihe deutscher Herrscher setzte alles daran, Kurfürst zu werden, obwohl schon klar zu erkennen war, dass nach Franz II. niemand mehr zu küren sein würde. Mit 25.Februar 1803 wurde Ferdinand die Kurwürde erteilt, da jedoch Salzburg dabei nicht genannt wurde, wohl ihm als Person. Zugleich erhielten der Markgraf von Baden, der Herzog von Württemberg und der Landgraf von Hessen-Kassel diese Würde. Ferdinand wurde während seines Exils in Wien vom Unglück verfolgt. Sein erster Sohn starb am Ende des ersten Exiljahres, zwei Jahre später verstarb seine Frau an den Folgen einer Entbindung. Ferdinand blieb daraufhin viele Jahre unverheiratet. Er sollte für das Amt eines Erzmünzmeisters vorgeschlagen werden, da Salzburg über reiche Gold- und Silberminen verfügte. Der Kaiser wollte ihm hingegen das Amt eines Erzhofmeisters übertragen. Erzherzog Ferdinand war mit seiner Entschädigung nie zu­frieden. Die Toskana hatte auf 440 Quadratmeilen etwa 1,150.000 Einwohner. Das Kurfürstentum Salzburg war nicht einmal halb so groß, hatte nur etwa ein Viertel der Ein­wohner und prozentuell weniger Einnahmen als die reiche Toskana. Während alle Fürsten, die im Zusammenhang mit dem Reichsdeputationshauptschluss entschädigt wurden, nahmen, was sie bekommen konnten, verhielt sich Ferdinand anders. Er wollte sich an dieser Art der Bereicherung nicht beteiligen. Er hätte nämlich die Möglichkeit gehabt, die Klöster und Stifte für sich zu kassieren, tat dies aber nicht. Zwar ließ er die Kapitel und Klöster eine Zeit lang in ihren Ein- und Ausgaben kontrollieren, tastete sie aber nicht an. Der Gesamtwert der zugesagten ehemaligen kurpfälzischen Güter lag bei etwa sieben Millionen Gulden und 300.000 Gulden an Erträgnissen. Schon zwei Jahre und drei Monate bevor Erzherzog Ferdinand nach Salzburg kam, war Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo nach Wien abgereist und wurde das Land von einem Statthalter regiert. Am 19.August 1802 erfolgte die Besitznahme Salzburgs für Ferdinand. Erst am 11.Februar 1803 entließ aber Colloredo die Bevölkerung mit einem Patent aus dem Untertanenverband. Am 15.Februar  traf der Hofkommissar des Erzherzogs, Heinrich Freiherr von Crumpipen, in Salzburg ein. Am 18. Februar war die Erbhuldigung, abends eine allgemeine Stadtbeleuchtung, zwei Tage später ein großer Ball. Erst fünf Wochen nach der Erbhuldi­gung kam der neue Souverän selbst in seine Residenz. Sein Einzug war am 29.April 1803. An der Grenze seines neuen Fürstentumes war ein Triumphbogen errichtet worden. Die Bevölkerung begrüßte die Umwandlung des geistlichen Fürstentumes in eine erbliche Monarchie.

Der offizielle Titel Ferdinands lautete nun: "Ferdinand von Gottes Gnaden königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, Erzherzog zu Österreich, Herzog  zu Salzburg, Fürst zu Eichstätt, Passau und Berchtesgaden etc.etc. des Heiligen Römischen Reiches Kurfürst." Der schön klingende Titel eines Kurfürsten, politisch unmaßgebend, kostete Ferdinand jährlich 10.000 Gulden. Als Herzog von Salzburg, Fürst von Berchtesgaden und Fürst von Eichstätt besaß er im Reichsfürstenrat drei Stimmen. Eine vierte für das Fürstentum Niederpassau zu erlangen, misslang. Das Kurfürstentum musste die überkommenen Regierungsein­richtungen ändern. Bisher hatten die Domherren in den wichtigsten Einrichtungen den Vorsitz inne. Anstelle der Kleriker nahmen nunmehr weltliche Beamte die Positionen ein. Verwaltung und Justiz wurden getrennt. Das Land hatte eine althergebrachte Beamtenschaft. Daraus ernannte der neue Landesherr Carl Freiherr von Moll zum Direktor der Landesregierung, Johann Franz Thaddäus von Kleimayer zum Staatsrat und Präsidenten der Obersten Justizstelle. Als weitere zentrale Entscheidungsträger wurden Johann Heinrich Reichsfreiherr von Bleul, Franz Pichler, Friedrich Ludwig von Hartmann und Johann Nepomuk von Hennebrith eingesetzt. Anstelle der Statthalterschaft trat zunächst „die Konferenz“ und ab Februar 1804 der Staatsrat. Die Landtage traten wie bisher zusammen. Die Landesregierung war die eigentliche Verwaltungsbehörde. Aus den alten und neuen Gebieten musste ein einheitlicher neuer Staat geschaffen werden. Die wirtschaftliche Situation des Landes war alles andere als gut. Die wirtschaftliche Basis bildeten Viehzucht und Ackerbau. Das Verhältnis Bayerns und Österreichs ließ keinen bedeutenden Handel zu. Der kaiserliche Bruder musste Ferdinand mit einem zinsenlosen Darlehen von 250.000 Gulden unter die Arme greifen. Immer wieder stößt man bei den Reformen Ferdinands auf Vorstellungen, die aus der Toskana stammen. Die Regierungstätigkeit des Kurfürsten kann als ein nachahmenswertes Muster hingestellt werden. Sie markiert den Beginn einer modernen politischen Lenkung und Verwaltung des Landes.

Schon im Juli des Jahres 1805 war klar zu ersehen, dass Wien Truppen für einen neuen Krieg gegen Frankreich bereitstellte. Der Kurstaat wurde sodann zu einem Aufmarschgebiet Österreichs. Dieses Durchmarschrecht hatte sich die kaiserliche Regierung nämlich im Familienvertrag gesichert. Angesichts der vorrückenden französischen Heere verließ der Kurfürst am 18. Oktober 1805 Salzburg in Richtung Wien. Bereits am 15. Oktober 1805 wurden seine schon früher verp­ackten Kostbarkeiten über Radstadt nach Graz geschickt. Die Flucht des Fürsten erfolgte genau an dem Tag, an dem sich General Mack mit 25.000 Mann in Ulm den Franzosen ergab. Das österreichische Oberkommando zog die Truppen hinter die Enns zurück, damit war klar, dass Kursalzburg aufgegeben wurde. Marschall Jean Baptiste Bernadotte rückte mit seinem bayrisch-französischem Korps in der Stärke von rund 65.000 Mann in das Kerngebiet des Kurstaates und in die Hauptstadt ein. Die Besetzung brachte hohe Belastungen mit sich. Neben der Einquartierung und Verpflegung der Be­satzungstruppen musste eine hohe Kriegskontribution aufgebracht werden. Der Ausgang dieses Krieges mit der berühmten Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz vom 2. Dezember 1805 bewirkte den Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805. Dieser Friedensvertrag verpflichtete Österreich zu großen Abtretungen (Tirol und Vorarlberg, Venetien, Vorderösterreich). Dafür sollte Österreich mit einem Teil von Ferdinands Kurstaat entschädigt werden. Salzburg und Berchtesgaden fielen an Österreich, Passau und Eichstätt waren an Bayern zu übergeben. Der dadurch länderlos gewordene Kurfürst Ferdinand erhielt, da er gute Beziehungen zu Napoleon hatte und natürlich auch von der habsburgischen Politik unterstützt wurde, das ehemalige Hochstift Würzburg, das er unter dem Titel eines Großherzogtumes bis 1814 regierte. Am 14. Jänner 1806 wurden die Salzburger und Berchtesgadener aus dem Erbhuldigungseid entlassen. Mitte Februar unterzeichnete Kaiser Franz II. die Urkunde über die Besitznahme. Ferdinand richtete sich in Würzburg so ein, wie er es zuvor schon in Salzburg getan hatte, er wollte es zu einer eines habsburgischen Prinzen würdigen Residenzstadt machen. Das Land gewann in diesen Jahren seine endgültige Gestalt. Die „Schätze“ Ferdinands, darunter der größte Teil der Salzburger Silberkammer, eine reiche Sammlung von Werken der deutschen Gold- und Silberschmiedekunst aus 900 Jahren, kamen nun nach Würzburg. Jene Gegenstände aber, die einen Platz im kaiserlichen Kabinett verdienten, wurden dem Hofmuseum einverleibt. Die vielen Kunstobjekte aus Salzburger Besitz nahm Ferdinand acht Jahre später nach Florenz mit. Sie befinden sich heute im Palazzo Pitti. Auf den Kurfürstentitel musste Ferdinand verzichten, er hatte ihn in Würzburg nur für wenige Monate inne.

Ferdinand  war ein frommer, der Kirche verbundener Mann. Er beschäftigte sich gerne mit seinen großen, kostbaren Sammlungen. Außer Gemälden und Plastiken besaß er eine bedeutende Bibliothek. Ihn interessierten die Künste mehr als die Wissenschaften. Die Rückgabe der von den Franzosen geraubten Gemälde konnte durchgesetzt werden. Am 18. Juni 1824 starb Ferdinand, eben fünfund­fünfzig Jahre alt, in Florenz. Er wurde in San Lorenzo direkt unter dem Hauptaltar in der alten Krypta beigesetzt. Die Nachwelt umschreibt ihn als den Toskaner unter des Kaisers Brüdern. Er wirkte blass, zurückhaltend und fügte sich eigentlich nur in das, was andere für ihn entschieden hatten. Dem standen allerdings das eigenständige Absetzen vom Vater, die Aufnahme Napoleons in Florenz und die Neutralitätspolibik der Toskana gegenüber. Für ihn verhandelte die Diplomatie des Erzhauses. Unabhängig davon war er aber in Lage, auch für sich selbst verhandeln zu lassen. Für Ferdinand war die Regierung in Salzburg nur eine Episode. Für Salzburg endete mit seiner Regierung die Zeit der staatlichen Selbständigkeit.

 

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