Andreas
Jakob, Graf von Dietrichstein
10.09.1747
-- 6.1.1753
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Andreas
Jakob, aus einer der vornehmsten Familien Österreichs stammend, wurde
am 27.5.1689 in Mähren geboren. Seine Eltern waren Maximilian, Graf
von Dietrichstein, und Justina Maria, geborene Gräfin Schwarzenberg.
Die Familie zählte zwar zum schlesischen Adel, hat aber ihren Ursprung
in Kärnten. Andreas Jakob, der schon früh seine Eltern verlor, wurde
1697 Ritter des Malteserordens. Er studierte zunächst 1707 in Salzburg,
wurde 1708 auf kaiserliche Bitte hin Domherr zu Salzburg,
wo er 1713 Sitz und Stimme erhielt. 1729 erwählte man ihn zum
Domdechanten und sieben Monate später zum Dompropst. In dieser
Eigenschaft musste er die Wahl seines Vorgängers ausschreiben. Am
10.9.1747 wurde er selbst nach fünf Wahlgängen zum Erzbischof von
Salzburg erwählt. Damit hatte sich das Domkapitel für einen Mann
entschieden, der seit seiner Kindheit mit Salzburg verbunden war. Aus
dem Alter Dietrichsteins von 58 Jahren und aus der Tatsache von fünf
Wahlgängen kann man unschwer erkennen, dass Andreas Jakob, wie auch
schon seine Vorgänger, ein Verlegenheitskandidat gewesen sein dürfte.
Oder konnte sich das Domkapitel dem Volkswunsch nicht entziehen? Zum
ersten Mal vernahm man nämlich vor einer Wahl zum Erzbischof Stimmen
aus dem Volk, das keinen Landesfremden zum Landesfürsten haben wollte.
Dieser Volkswunsch äußerte sich unter anderem in der Anheftung einer
Schrift an das Kapitelhaus: „Zum Fürsten nur allein/Die Stadt und die Gemein/Will nur den
Dietrichstein.“ Die
Bevölkerung honorierte damit offenbar Dietrichsteins Schlichtheit, den
Umstand, dass er sich mit nur einem Kanonikat in Salzburg begnügte
und vor allem, dass er immer in Salzburg anwesend war. Seitens Maria
Theresias war durch den Wahlkommissär
Graf Schlick lediglich die Instruktion erfolgt, es solle ein Mann
Erzbischof werden, der nicht bloß geistlich, sondern auch in
temporalibus eine gute Regierung und in Reichssachen eine hinlängliche
Einsicht verspreche. Maria Theresia deutete an, dass es besser sei, wenn
jemand aus einer kleineren Familie gewählt werde als aus einer, die mit
regierenden Herrscherhäusern verwandt sei. Das Erzstift habe im Zustand
des Verfalls, in dem es sich wegen der zu weit getriebenen Emigration
befinde, einen begabten, emsigen, arbeitsamen Vorsteher höchst nötig.
In dieser Instruktion, die auch auf die Gefahr der Säkularisation
eingeht, ist wohl abermals eine kaiserliche Fürbitte für Dietrichstein
zu erblicken, zumal alles Geäußerte auf ihn zutrifft. Dementsprechend
groß war dann auch die Freude über seine Wahl. „Wahl
des Erzbischofs
In
seinem Gratulationsschreiben zur Wahl sprach sich Kaiser Franz I.
Stephan unter anderem gegen eine Aufhebung des Erzstiftes aus. Andreas
Jakob, eine schlichte, würdige Person von hagerer, steifer Gestalt,
setzte sich immer für das Wohl seiner Untertanen ein. Nepotismus gab
es während seiner Regierungszeit nicht. Er war ein guter Kenner der
Verhältnisse und des Landes, eifrig und arbeitsam - oft bis tief in die
Nacht hinein. Dietrichstein soll daneben ein recht geselliger Mensch mit
Freude an Festen, Maskenbällen, Theateraufführungen und Interesse an
der Physik gewesen sein. Wie seine Vorgänger sah auch er sich mit den
finanziellen Schwierigkeiten im Erzstift konfrontiert. Er bestritt sogar
die Kosten seiner Bischofsweihe aus eigenen Mitteln. Beim Kaiser
erreichte Dietrichstein, daß der Titel
„ PRIMAS GERMANIAE “ endlich
auch reichsrechtlich anerkannt wurde. In Rom setzte er sich vergeblich für
die Herabsetzung der hohen Palliumstaxen ein. Die vom Papst nach jeder
Wahl geforderte, von den Salzburger Bürgern als erhöht empfundene
Abgabe, wurde letztendlich von Maria Theresia bezahlt. Die ursprünglich
geforderten 30.000 Scudi wurden auf 20.000 Scudi herabgesetzt. Das
Pallium traf sodann mit zweijähriger Verspätung in Salzburg ein. Auch
der Volkswitz bemächtigte sich dieser Angelegenheit. Während der Dult
wurde am Kapitelhaus eine Zeichnung angeheftet, die den Papst vor einem
Tisch mit Pallien und Bischofsmützen darstellt, auf den ein Bote mit
einem Beutel mit 20.000 Scudi zugeht und der übersetzten Beischrift:
„Jetzt verkauft man zu Rom Pallien und Mützen des Bischofs, schnell
entflieh ich von da, sonst verkauft man auch mich.“ Die
Regierungszeit Dietrichsteins war geprägt vom Bemühen nach Sanierung
der tristen finanziellen Situation im Erzstift und nach Abwendung
einer neuerlich entstandenen Gefahr der Säkularisation, nach
Aufrechterhaltung der Guten Sitten, Vermeidung von übermäßigem Luxus
in der Bevölkerung und der vorsichtigen Öffnung zum Gedankengut der
„Neuen Zeit“, die auch vor dem Erzstift nicht Halt machte. Wie bei
seinen Vorgängern waren es vor allem die finanziellen Schwierigkeiten,
die den oft nächtelangen Arbeitsablauf Dietrichsteins prägten. Eine
eigens eingesetzte Einsparungskommission sollte der Lage Herr werden.
Sparsamkeit bei Hof und in der Bevölkerung, Einschränkung der
Kleiderpracht, Verzicht auf neue Bauten, deren es ja in Salzburg schon
genug gab, sogar Vernachlässigung notwendiger Sanierungen, Förderung
von Wirtschaft und Infrastruktur waren des Erzbischofs Konzept. Zur
Durchsetzung dieses Programmes steigerte Dietrichstein die autonome
Lebensmittelversorgung für den Hof durch Errichtung einer eigenen Hühnerfarm
in Klessheim und durch Förderung der Rinderzucht, um Ausgaben für Einkäufe
zu sparen. Er selbst verzichtete auf die Haltung eines Sommersitzes und
wohnte das ganze Jahr über in der Residenz. Ferner bestritt er die
Kosten seiner Bischofsweihe aus eigenen Mitteln. Lediglich das als
Stiftung Liechtensteins finanzierte Leihhaus wurde nun endgültig
adaptiert. Dietrichstein selbst bediente sich dieser nützlichen
Einrichtung, um höher verzinste, 5- bis 6-prozentige Darlehen in günstiger
verzinste umzuschichten. Mit Genehmigung des Domkapitels nahm er beim
Leihhaus und beim Großhändler Sigmund Haffner insgesamt 150.000
Gulden als Darlehen zu einer Verzinsung zu 4 Prozent per anno auf. Eine
zur Konsolidierung der Staatsfinanzen geplante Grund- und Gewerbesteuer
konnte Dietrichstein nicht durchsetzen. Wohl aber wurde 1751 eine
Besoldungssteuer als Vorgänger einer Lohnsteuer eingeführt. Danach
mussten für Jahresgehälter von über 600 Gulden ein Groschen pro
Gulden, von Gehältern zwischen 400 und 600 Gulden zwei Kreuzer pro
Gulden, von solchen zwischen 200 und 400 Gulden eineinhalb Kreuzer pro
Gulden und darunter ein Kreuzer pro Gulden an die Obrigkeit abgeführt
werden. Lediglich wer nur ein Jahresgehalt von unter 50 Gulden bezog,
war quasi lohnsteuerbefreit. Auch die Dienstboten wurden nun besteuert
und mussten drei Kreuzer entrichten. So konnte Dietrichstein insgesamt
304.900 Gulden für den Staatshaushalt aufbringen.Diese Einnahmen
dienten zur Schuldenreduktion der Landschaftskasse. Sparsamkeitsgründe
waren es, wie gesagt, die unter Dietrichstein zum Unterbleiben neuer
Bauten und Verschönerungen, aber auch zur Unterlassung notwendiger
Sanierungen führten. So wären bereits Reparaturen der Hellbrunner
Baulichkeiten von Nöten gewesen, zumal bereits ein gewisser
“Fremdenverkehr” eingesetzt hatte und die Befürchtung laut geworden
war, die Besucher würden ausbleiben, da “ein Stück nach dem anderen
eingehe”. So wurde wenigstens die sogenannte “Schmiedgrotte”
saniert und wird heute das Andenken Dietrichsteins am meisten durch das
“Mechanische Theater” in den Hellbrunner Wasserspielen
wachgehalten: Lorenz Rosenegger unterbreitete seinem Fürsten den
Vorschlag, das bestehende Figurenwerk neu zu gestalten und mit einem
Orgelwerk zu versehen. Er ging die Verpflichtung ein, für 343 Gulden
100 neue Figuren zu schaffen und das Werk in Gang zu bringen. Als es
nach zwei Jahren immer noch nicht fertiggestellt war und aus den ursprünglichen
343 Gulden 1035 geworden waren, ging Dietrichstein die Geduld aus und er
internierte Rosenegger auf der Festung, wo er seine Arbeit
fertigzustellen hatte. Man entließ ihn zwar bald, gab ihm aber eine
Aufsicht bei, sodass das Werk 1752 vollendet und 1753 von Egedacher mit
der Orgel versehen werden konnte. Die alte und baufällig gewordene
Andreaskirche in der Linzer Gasse hingegen musste aus eigenen
Kirchenmitteln neu gebaut werden. Die Universität wurde mit einem
Physiksaal versehen. Um den Sparsamkeitsgedanken auch der Bevölkerung
nahe zu bringen, ergingen “heilsame Sitten- und Luxusgesetze”,
gerichtet auf Einschränkung der Kleiderpracht, Verbot von überhöhten
Lohnforderungen, etc. Unter Dietrichstein begann man auch, den in der
Barockzeit wuchernden Kirchenprunk einzudämmen. Wie bereits erwähnt,
fand die “Neue Zeit” mit ihrem neuen Gedankengut auch im Erzstift
Eingang. Der Güter-, Reise- und Postverkehr steigerte sich zunehmend
und musste trotz der Einsparungen das Verkehrs- und Postnetz verbessert
werden. Unter anderem wurde ein regelmäßiger Postverkehr zwischen Linz
und Salzburg eingerichtet und das Straßennetz zwischen Salzburghofen
und Waging und dann durch den Pongau gegen Radstadt verbessert.
Dietrichstein wandte sich mit Erlässen auch gegen ein unsittliches
Walzen, gegen Aberglauben durch erdichtete Wunder, gegen ungereimte
Offenbarungen und falsche Ablässe, sittenverderbende Lieder und ähnliches. Von
lokaler Bedeutung war die Krönung des Gnadenbildes von Maria Plain am
4.7.1751 mit vom Papst gesegneten und geweihten prunkvollen Kronen.
Damit wurde das 1744 vom Domkapitel aus Anlass der Bedrohung durch zwei
feindliche Armeen geleistete Gelübde eingelöst. Die Teilnahme der Bevölkerung
war so groß, dass im Freien zwei Altäre und Beichtstühle aufgestellt
werden mussten. Der Erzbischof selbst vollzog die Krönung. 1748 ging
ferner die neue Stadtbeleuchtung in Betrieb und fanden in der
Sommerreitschule mehrmals Stiergefechte statt. Im Dom wurde die allzu
reiche Beleuchtung reduziert, da durch die große Rauchentwicklung der
Kerzen die Wände geschwärzt wurden. 1751 wurde der Schweinemarkt am
Platzl außerhalb des Lederertores gegen die Salzach verlegt. Bei der
Residenz wurde ein Pranger-Postament errichtet. Dem Prälaten von
St.Peter und jenen Domherrn, die Propsteien besaßen, wurde endlich
erlaubt, auch außerhalb kirchlicher Verrichtungen das Pectorale zu
tragen. 1750 wurde durch eine Stiftung des Sebastian Schallhammer die
Errichtung des Vikariates in Unternberg und dann auch in Annaberg die
Errichtung einer Seelsorgestation ermöglicht. 1751 wurde das 100-jährige
Jubiläum des Loretokindes gefeiert, wobei eine eigene Festschrift
erschien. Dietrichsteins
Wahlspruch " AMORE ET JUSTITIA " - Liebe und Gerechtigkeit -
unterstreicht die gerechte und wohltätige Art dieses sympathischen und
vom Volk so geliebten Landesfürsten. Im November 1752 erkrankte
Dietrichstein. Er verstarb am 5.1.1753 im Alter von nur vierundsechzig
Jahren. Zu kurz war die Regierungszeit dieses bescheidenen und im
Lebenswandel musterhaften Fürsten, der keine Begünstigungen geduldet
hatte, gewesen. Trotz Sparsamkeit in der Amtsführung und im persönlichen
Bereich und trotz seines
Bemühens zur Hebung der Wirtschaft und Infrastruktur musste
Dietrichstein seinem Nachfolger offene Forderungen in Höhe von ca.
636.000 Gulden hinterlassen. |