Jakob Ernst, Graf von Liechtenstein-Castelcorn

13.01.1745 -- 12.6.1747

 

 

Jakob Ernst, einem altem Südtiroler Adelsgeschlecht entstammend, wurde am 14.2.1690 in Hertwigswaldau in Schlesien geboren. Seine Eltern waren der Kaiserliche Geheime Rat Franz Graf Liechtenstein und Katharina, geborene Freiin von Pawlowska. Der Zweig des Geschlechtes, dem Jakob Ernst entstammt, war nach dem Dreißigjährigen Krieg in die Sudetenländer gekommen und war er daher Schlesier und nicht mehr Südtiroler. Er studierte zunächst in Brünn und Olmütz Philosophie und Jurisprudenz, schlug aber schon bald die geistliche Laufbahn ein. 1709 erhielt er ein Kanonikat in Olmütz. Be­reits im dritten Studienjahr am Collegium Germanicum in Rom wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. 1713 erfolgte seine Priesterweihe. Nach Übernahme einer Domherrn­pfründe in Salzburg nahm er bald die Stelle des Konsistorialpräsidenten ein. 1728 wurde er zum Bischof von Seckau und 1738 zum Bischof von Olmütz erwählt. Nach einem ersten Wahlgang am 12.1.1745 erhielt Jakob Ernst bereits beim zweiten Wahlgang am 13.1.1745 die erforderliche Stimmenanzahl zu seiner Wahl als Erzbischof von Salzburg. Da Liechtenstein zum Zeitpunkt seiner Wahl Bischof von Olmütz war, war die Zustimmung des Papstes zu seiner Transferierung nach Salzburg notwendig. In der Urkunde vom 5.3.1745 stimmte Papst Benedikt XIV. dieser zu und übertrug Jakob Ernst die Verwaltung der Erzdiözese für vorerst sechs Monate. Am 14. Oktober 1745 schrieb Jakob Ernst an seinen Suffragan, Geheimen Rat und Statthalter Josef, Bischof von Chiemsee:

„JACOB ERNST VON GOTTES GNADEN ERTZBISCHOFF ZU SALTZBURG, LEGAT DES HEYL.APOST.STUELS ZU ROM, UND DES TEUTSCHLANDS PRIMAS

Unser freundtlich Grues in genaigten Willen zuvor, Ehrwürdiger in Gott besonders lieber Freundt. Ihre Päpst1.Heyl. haben uns mit unserer Confirmation auch die gewöhnliche Bullam an die Herren Suffraganeos beyschlyssen lassen, warvon wür Euer Frt. wegen dero inhabenden Bistumb gleichlautend vidimirten Nachtruckh zu Ihrer Nachricht hiemit zuesenden wollen; und verbleiben deroselben annebens zuerweisung beliebiger Willfährigkeiten und Freundtschaft allzeit zuegethan. Geben in unserer Stadt Salzburg den 14 ten Octobris 1745. „

 

 

Am 1.6.1745 fand der festliche Einzug vom Schloss Mirabell kommend durch das Linzertor in die Residenz statt. Nachdem man bereits Firmian ob seiner kränklichen Natur im Glauben an einen nur kurzfristigen Übergangskandidaten gewählt hatte, entschied sich das Domkapitel mit Jakob Ernst abermals für einen, mit 55 Jahren alten, kränklichen und auch körperlich behinderten Kandidaten. Noch nie war eine Vakanz so ungelegen gekommen wie die nach dem Tod Erzbischof Firmians. Durch die Kriegsereignisse zwischen Preußen und Österreich und den Einmarsch Friedrichs II. nach Böhmen war nämlich Maria Theresia gezwungen, Truppen von Bayern abzuziehen. Dadurch aber wuchs für Salzburg die bayrische Gefahr zunehmend. Im November 1744 war Graf Harrach als österreichischer Gesandter nach Salzburg gekommen, der im Namen Maria Theresias unter anderem auch  die Verteidigung der Stadt Salzburg anbot. In der Nacht des 10.11.1744 rückte dann auch österreichisches Militär in die Stadt ein. Möglicherweise lag der Wahl Liechtensteins eine besondere Empfehlung Harrachs zugrunde. Wenige Tage nach der Wahl Jakob Ernsts zum Erzbischof von Salzurg starb am 20.1.1745 der römisch deutsche Kaiser Karl VII.. Nach Verzicht des erst achtzehnjährigen Maximilian Josef auf das Habsburgische Erbe im Frieden von Füssen war die Gefahr gebannt und konnten die fremden Truppen aus Salzburg wieder abrücken. Somit konnte Liechtenstein seine Regierung unter nunmehr günstigen politischen Bedingungen beginnen.

 

Jakob Ernst war ein tüchtiger, wenn auch nicht sehr beliebter Landesfürst. Die nur kurze Re­gierungszeit läßt wohl kein ab­schließendes Urteil über seine Person zu. Gewandt und weitblickend, stand diesem Erzbischof eine Be­völkerung gegenüber, die für Re­formen und moderne Ideen noch nicht aufgeschlossen genug war. Das Volk und vor allem der Hof stießen sich an der Landes­fremdheit des neuen Landesfürsten, an dessen eigenem schlesischen Personal und an der empfindlichen Schmälerung der Besoldung. Dessen ungeachtet und trotz seiner kränklichen Natur war Liechtenstein nicht untätig und nahm verschiedene Reformversuche in Angriff. Erhalten davon blieb nur die Stiftung des Leihhauses. An die alte Bestimmung erinnert das Stiftwappen mit der Inschrift: „ Mons pietatis quem Jac. Ern. Archiep. et princ. Salisb. ex comitibus de Liechtenstein etc. fundavit Ao. MDCCXLVII „. Dieses mit einem Kapital von insgesamt 53.000 Gulden gestiftete Leihhaus wurde am 26.1.1747 noch zu Lebzeiten Liechtensteins zunächst im zweiten Stock des Hauses des Spezereiwarenhändlers und Magistratsrates Franz Jänner, der auch der erste Verwalter dieses „städtischen milden Leihhauses“ war, eröffnet. Erst in den Jahren 1749/50 kaufte man vom Hofrat Joh.Joseph Chrysostomus Paurnfeind von Eyß das Haus vor der Dreifaltigkeitskirche, das man sodann adaptierte. Dieses Leihhaus wurde 1907 aus Gründen der Verkehrspolitik abgebrochen. Das alte Portal samt Stifterwappen ziert heute das Gebäude der Salzburger Sparkasse Bank AG auf dem Alten Markt. Mit dem Domkapitel war Liechtenstein wegen der vorhandenen Schulden aus der Zeit Firmians, deren Begleichung sein erklärtes Ziel war, ständig im Streit. Die Abdeckung versuchte er durch Sparsamkeit, Schmälerung der Besoldung, Verzicht auf größere Bauten und sogar auf Verschönerungsarbeiten sowie durch Hebung des Bergwerksertrages zu erreichen. Leidtragend war dabei vor allem auch die Landschaft, die von der Hofkammer keine Dezimation erhielt. Offenkundig aus Geldmangel entschloss sich Jakob Ernst als aufgeschlossener Realist erst 1747 um die Belehnung mit den Reichsregalien beim Kaiser einzukommen. Kaum war sein Gesandter nach Wien abgereist, erkrankte Liechtenstein so schwer , dass man Boten nachschickte, um nicht wegen der Regalien vergeblich Geld auszugeben. Der an Lungenkrebs leidende Landesfürst dachte noch in den letzten Wochen seines Lebens an seine Untertanen, indem er testamentarisch einen Betrag von 25.000 Gulden für den  Zweck vorsah, dass eine niedrigere Weihsteuer bemessen werde, sollte sein Tod vor 1750 eintreten, um die Bevölkerung durch seine nur kurze Regierung nicht zu sehr zu beschweren. Am 12.6.1747 starb Liechtenstein, der wohl für Salzburg nur Gutes wollte.

Sein Wahlspruch „ DOMINUS AUTEM ASSUMPSIT ME " - Der Herr hat mich wunderbarerweise angenommen - mag wohl im Zusammenhang mit seiner Gesundheit und leichten körperlichen Behinderung durch einen Buckel zu sehen sein.

 

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