Franz Anton Fürst von Harrach

20.04.1709 -- 18.07.1727

 

Franz Anton wurde am 2. Oktober 1665 in Madrid geboren. Die Familie stammt aus altem böhmisch-oberösterreichischem Adel. Seine Eltern waren der kaiserliche Obersthofmeister Ferdinand Bonaventura Graf Harrach und Johanna Theresia Gräfin Lamberg. Er entstammte der jüngeren Linie der Familie Harrach, die sich im 13. Jahrhundert in Österreich angesiedelt hatte und war von Kaiser Leopold I. ad personam in den Reichsfürstenstand erhoben worden. Sein Vater war kaiserlicher Gesandter in Madrid, weshalb Franz Anton dort auch seine Kindheit verbrachte. Aus dieser Zeit stammt auch ein Gemälde des Knaben, gemalt von Velasquez, der ihn bereits als Bischof darstellte. Als Zweitgeborener wurde er schon bald für die geistliche Laufbahn bestimmt. Er studierte zunächst am Collegium Germanicum in Rom. 1685 wurde er Domherr in Passau. Im Jahre 1687 erhielt er ein Salzburger Kanonikat, 1692 wurde er Domdechant. 1702 ernannte ihn Kaiser Leopold I. schließlich zum Bischof von Wien. Am 19. Oktober 1705 wurde er Koadjutor des Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun und Hohenstein, der jedoch bis kurz vor seinen Tod die Regierungsgeschäfte noch selbst führte. Danach trat er am 29. Mai 1709 die Regierung als Salzburger Landesfürst an. Als Koadjutor mit dem Recht auf Nachfolge konnte er dies sogleich tun, ohne dass das Domkapitel Gelegenheit hatte, sich selbst Zuwendungen zu verschaffen oder dem neuen Fürsten eine Wahlkapitulation aufzubürden. Seinen Einzug hielt er daher bereits am 27. Mai, an welchem Tag ihm durch den Bischof von Chiemsee auch das Pallium übergeben wurde.

Harrachs Regierungszeit in Salzburg verlief ruhig. Die Pest konnte durch rechtzeitige Maßnahmen, wie vor allem durch die Sperre der Grenzen, vom Erzstift abgehalten werden. Auch die Finanzlage hatte sich mittlerweile stabilisiert. Harrach war beliebt und wohltätig, weshalb bereits die Zeitgenossen von den „Goldenen Harrachzeiten“ sprachen. Sein großer Kunstsinn war vom beginnenden Rokoko beeinflusst. Wenn es um die Verwirklichung seiner Ideen und Pläne ging, war ihm kein Künstler zu teuer. Unter anderem beschäftigte er als Baumeister Fischer von Erlach und Lukas von Hildebrandt, den Bildhauer Georg Raphael Donner und die Maler Michael Rottmayer und Martino Altomonte. Unter seiner Herrschaft wurde das Schloss Mirabell so gründlich erneuert, dass nichts mehr vom ursprünglichen Bau Wolf Dietrichs zu erkennen war. Hervorzuheben ist die vom Bildhauer Georg Raphael Donner herrührende Rokokostiege im Schloss Mirabell. In den Jahren 1710 und 1711 wurde die Residenz renoviert. Die pittoresken Zwerge im Garten vor Schloss Mirabell ließ ebenfalls Harrach aufstellen. Die Stadt selbst veränderte sich unter ihm nicht mehr.

Außenpolitisch unterstützte er den Kaiser in den Auseinandersetzungen  um die Spanische Erbfolge. Das Salzburger Infanterieregiment in der Stärke von 1500 Mann kam bei Freiburg zum Einsatz und marschierte dann zusammen mit dem kaiserlichen Bataillon und einem Hildesheimer Regiment gegen Neuburg am Rhein. Die salzburger Truppen konnten erst nach dem Frieden von Baden/Aargau nach neuneinhalb Jahren Dienst in die Heimat zurückkehren.

Harrach stärkte den Handel mit dem Mittelmeer und ließ Straßen und Handelswege ausbauen. Kaiser Karl VI. trachtete danach, Wien, seit jeher Teil der Salzburger Kirchenprovinz, zum Erzbistum zu erheben. Ein dahin lautender Antrag wurde 1721 vom Papst positiv entschieden. Im Jahre 1725 strengte auch Regensburg gegen Salzburg einen Prozess an, um, wie unter Erzbischof Johann Ernst schon Passau, exemt zu werden. Dieses Ansinnen blieb jedoch ohne Erfolg. In der Salzburger Münze ließ er 1710 das erste Druckwerk, eine Prägemaschine mit Spindelpresse, aufstellen. Die Salzburger Universität hatte regen Zugang, sie wies 836 Hörer auf. Im Jahre 1711 kam es allerdings aufgrund der Bestrafung eines Studenten wegen einer Schmähschrift zu einem Studentenstreik gegen den Rektor. Im Mai 1718 wurde die erste Jahrhundertfeier der Universität begangen. Gegen Alchemie und Versuche, aus unedlem Metall Gold zu machen, erging ein strenges Mandat.

Harrach zeichnete sich durch seinen, dem Rokoko zugeneigten, Kunstsinn aus und war wegen seiner Leutseligkeit und Wohltätigkeit überaus beliebt. So kam es immer wieder vor, daß er sich, auf den Bänken der Residenz sitzend, mit Bürgern unterhielt.  Die Kardinalwürde für seine Person, für die sich König Johann von Polen beim Papst eingesetzt hatte, schlug er aus. Franz Anton war der erste Salzburger Erzbischof, der eine Perücke trug, die vorher Geistlichen verboten war. Sein Wahlspruch war bezeichnend für seine Persönlichkeit. Gerechtigkeit und Güte gaben einander den Bruderkuss.

Harrach starb am 18. Juli 1727 im Schloß Mirabell vermutlich an einer Erweiterung der Bronchialäste, die häufig als Folge einer Lungenentzündung oder einer Tuberkulose auftritt.

 

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