Max Gandolph, Graf von Kuenburg

30.07.1668 -- 3.05.1687

 

Max Gandolph wurde am 30. Oktober 1622 in Graz geboren. Seine Eltern waren der steirische Landesvizedom Reinprecht Freiherr von Kuenburg und Helena, Freiin von Schrattenbach. Die Kuenburg, ursprünglich Ministerialen des Hochstiftes Bamberg, die 1190 zum ersten Mal aufscheinen, gelangten später nach Kärnten. Die Stammburg stand bei Hermagor im Gailtal. Der Frühverwaiste fand im Bruder der Mutter, dem Salzburger Domherrn Wolf Wilhelm von Schrattenbach, einen zweiten Vater. Nach Studien in Graz, Salzburg und am Collegium Germanicum in Rom erhielt er 1644 ein Kanonikat in Salzburg, wurde 1647 wirklicher Domherr und 1654 auch Konsistorialratspräsident. Im Jahre 1655 wurde er Bischof von Lavant und 1665 auch Bischof von Seckau. Zur Erinnerung an die Übernahme der bischöflichen Leitung dieses Suffraganates ließ er Gedenkmünzen herstellen. Aus der Wahl vom 30. Juli 1668 ging er mit zwölf von fünfzehn Stimmen als neuer Salzburger Landesfürst hervor. Mit Max Gandolph stellte die Familie neben Michael und Georg den dritten Salzburger Erzbischof. Die Domherrn sollten diese Wahl nicht bereuen. Das Verhältnis zwischen Erzbischof und Domkapitel sollte harmonisch und konfliktfrei verlaufen. Am 18. August 1668 hielt er mit dreißig Kutschen und einer Kavalkade feierlich Einzug. Das Pallium erhielt er am 8. Dezember. Als wichtigsten Punkt der Wahlkapitulation hatte er die Reinhaltung des Glaubens beschwören müssen. Hinsichtlich der Protestantenvertreibung wird er hinter Erzbischof  Firmian an zweiter Stelle genannt.

 

Die Zeit des Regierungsbeginnes des neuen Landesfürsten war noch von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges geprägt. Landstreicher, abgedankte, mittel- und heimatlose Soldaten, Fälscher und Gesindel versuchten in Salzburg sesshaft zu werden. Die Regierung Max Gandolphs trug viel zur Entwicklung Salzburgs zum modernen Staat bei. Neue Behörden wurden eingerichtet, weitere polizeistaatliche Verordnungen ergingen. Man findet eine Feuerlöschordnung von 1677 mit dem Gebot der viermaligen Kehrung der Kamine pro Jahr, eine Ruhe- und Sicherheitsordnung mit dem Verbot des Schießens und der Zusammenrottung von mehr als fünfzehn bis zwanzig Personen, eine Almosenordnung von 1678 mit der Einführung eines „Bettlerkatasters“, eine Sauberkeitsordnung zur Vermeidung des Gassengießens und der Anordnung, dass einmal pro Woche und vor Feierlichkeiten vor den Häusern zu kehren sei, sowie eine Infektionsordnung von 1679, um nur einige Beispiele zu nennen. Während der Regierungszeit dieses Landesfürsten suchte eine große Naturkatastrofe die Stadt Salzburg heim, die sogar im Ausland Beachtung fand. Am 16. Juli 1669 erfolgte ein Bergsturz im Gstättenviertel, der rund ein Dutzend Häuser, das Priesterseminar und zwei Kirchen vernichtete und zweihundertzwanzig Menschenleben forderte. Im Mai 1669 ertranken zweiundsechzig Dürrnberger Wallfahrer in der Salzach. Auch Max Gandolphs Regierungszeit sollte nicht frei von Kriegswirren bleiben. Frankreich besetzte nämlich 1670 Lothringen, führte 1672 bis 1678 Krieg gegen Holland und erhob gegen das Reich Gebietsansprüche. Max Gandolph stellte ein Reichskontingent unter Major von Freysing, das gegen Philippsburg und in der Rheinpfalz eingesetzt wurde. Auch eine neue Türkengefahr bis hin zur Belagerung Wiens im Jahre 1683 entstand. Wie schon oft zuvor hatte auch das Erzstift die sich daraus ergebenden Belastungen mitzutragen. Gegen die Bedrohung Wiens wurden seitens des Erzstiftes Waffen, Munition, Bargeld und ein Kontingent von 800 Soldaten zur Verfügung gestellt. Vor der Belagerung Wiens suchte Eleonore, die Witwe Kaiser Ferdinands III., beim Erzbischof um Asyl an. Sie wurde auf dem Gnigler Feld empfangen, blieb 14 Tage lang in Salzburg und reiste dann nach Innsbruck weiter. Geschichtlich von Bedeutung war das 1100-jährige Jubiläum der Ankunft des Lokalheiligen, das mit allem barocken Pomp von 17. bis 24. Oktober 1682 gefeiert wurde. Schaumünzen nahmen auf dieses Ereignis Bezug. Sieben kunstvoll aufgerichtete Triumphpforten zierten die Straßen. In einer langen Prozession wurden Reliquien, darunter jene der Landespatrone, getragen. Die Wirren im Münzwesen bestanden auch unter der Regierung des Max Gandolph weiter. Aus landesväterlicher Vorsorge, um während der Kipperzeit noch größere Schäden zu verhüten, erließ er am 21. Jänner 1681 das Mandat betreffend die Merkung von Münzen mittels einer Kontremarke. Die Bürger sollten für diese Merkung ca. 1% des Wertes der jeweiligen Münze bezahlen. Aus Angst vor einer versteckten Steuer fand die Maßnahme nicht den angestrebten Erfolg. Trotzdem hatte diese Verordnung eine gewisse Wirkung auf die Münzverfälscher und konnte der Abfluss des guten eigenen Geldes zumindest eingedämmt werden.  Um das Jahr 1681 trat das Taschen- oder Packwerk an die Stelle des bis dahin eingesetzten Walzwerkes. Im selben Jahr wurde erstmals auch die Fünfzehnkreuzer-Nominale im Erzstift eingeführt. Der Glaube an Zauberer und Hexen war seit dem 16. Jahrhundert weit verbreitet und führte zu Prozessen. Die Gefängnisse begannen sich zu füllen und wurde in der Nähe von Loreto ein eigener Hexenturm errichtet, der allerdings den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer fiel. Von insgesamt 198 Angeklagten wurden binnen sechs Jahren 133 hingerichtet, auch Kinder wurden nicht verschont. Das jüngste Opfer der Hinrichtungen war erst zehn Jahre alt. Die Angeklagten gehörten fast ausschließlich dem Bettler- und Landstreicherstand an. Die Hinrichtungen erfolgten durch Verbrennung, Erdrosselung oder gelegentlich durch das Fallbeil. Zur Erlangung von Geständnissen wurde die Folter angewandt. Max Gandolph ging fest und treu der alten Tradition der katholischen Kirche nach. Die Kirchen von Seekirchen, Maria Plain und die Kajetanerkirche wurden errichtet. Weitere Niederlassungen der Augustiner-Eremiten entstanden, über das ganze Land verteilt wurden zwölf neue Vikariate gegründet. 1680 wurde der Sebastianstag gebotener Feiertag. Nachdem vorangegangene Belehrungen der Protestanten nichts bewirkten, musste Max Gandolph zu anderen Mitteln greifen, wollte er nicht riskieren, dass das Luthertum noch weitere Kreise der Bevölkerung durchsetzte. Am 20. Oktober 1684 wurde deshalb die Ausweisung von Untertanen mit lutherischem Bekenntnis aus dem Defereggental in Osttirol verfügt. Der Auszug der ersten Protestanten aus dem Erzstift begann. Etwa 1000 Personen wandten sich nach Augsburg, Regensburg und Ulm. Besonders hart war aber, dass die Kinder im Alter unter fünfzehn Jahren im Erzstift zurückgehalten wurden, um sie von katholischen Vormündern erziehen zu lassen. Die Hälfte des Vermögens der Vertriebenen wurde zur Bedeckung der dafür auflaufenden Kosten zurückbehalten. Im Jahre 1685 ließ Max Gandolph auch Untersuchungen gegen die protestantischen Dürrnberger Salzbergknappen führen. Zuerst versuchte man es mit einer Einschüchterungstaktik. Die Führer, darunter Schaitberger, wurden verhaftet und für fünfzig Tage inhaftiert. Danach entließ man sie aus dem Bergdienst und ließ sie vierzehn Tage lang Bußarbeit verrichten. Waren sie immer noch nicht bekehrt, folgte die Ausweisung aus dem Erzstift. Sechzig bis siebzig Knappen wurden in der Zeit von 1686 bis 1691 ebenfalls des Landes verwiesen.

Unter Max Gandolph entstand auch erstmals die Idee eines Mönchsbergdurchbruches zur Ermöglichung der Stadterweiterung, wobei der Berg von oben herab durchschnitten werden sollte. Man begann zwar damit, kam aber nicht weit. Im Dom ließ Gandolph die noch fehlenden sechs Kapellenaltäre errichten. Um Erhaltungskosten zu sparen, wurde der Turmhelm der Franziskanerkirche abgetragen und eine welsche Haube aufgesetzt. Ein Großbau war das Kloster der Theatriner.  Auf der Feste Hohensalzburg zeugen die Feuerbastei und das Kaplanstöckl von der Bautätigkeit Max Gandolphs.

Am 16. Februar 1686 erhielt er durch Papst Innozenz XI. die Kardinalswürde, aus welchem Anlass auch Schaumünzen aufgelegt wurden. Dies war dem Kaiser zu verdanken, der sich damit Einfluss bei den Papstwahlen sichern wollte. Max Gandolph selbst hatte in der Wahlkapitulation gelobt, für sich die Kardinalswürde nicht anzustreben: allerdings überlebte er diese Ehrung nicht lange. Er verstarb am 3. Mai 1687 an einer Hautwassersucht, an der er bereits seit Herbst 1686 gelitten hatte und einem Gehirnabszess mit Metastasen. Durch seinen Tod kam es auch nicht mehr dazu, eine Titelkirche in Rom zu erlangen. Im Kabinett des Verstorbenen fanden sich rund 9000 Gulden Bargeld, acht Pectoralien hohen Wertes, eine goldene Kette im Wert von 3150 Gulden, zweiundzwanzig Ringe, ein Armband mit „Gesundsteinen“, eine große Uhr, alles zusammen Wertsachen um 27.000 Gulden. In der Hauschronik der Franziskaner ist Max Gandolph als von gemäßigter Denkart, ein Freund der Ruhe, leutselig und menschenfreundlich gegen alle, umschrieben. Er war eine etwas kühle, nüchterne, amusische Natur mit einem starken Familiensinn.

 

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