Paris Graf Lodron

13.11.1619 -- 15.12.1653

Paris Lodron wurde am 13. Februar 1586 auf Schloss Castelnuovo di Noarna geboren. Seine Familie kam aus Südtirol, das Stammschloss Lodrone stand im Legertal, einem Ausläufer des Etschtales zwischen Mattarelle und der Veroneser Klause. Das Geschlecht war am 6. April 1452 in den Reichsgrafenstand erhoben worden und teilte sich sodann in die Linien Castelnuovo und Castellano. Seine Eltern waren Nikolaus Graf Lodron, kaiserlicher Obrist und Statthalter von Tirol, und Dorothea von Welsperg. Paris Lodron war der erstgeborene Sohn und damit präsumtiver Erbe des Familienvermögens. Schon als Elfjähriger begab er sich zum Studium der Theologie nach Trient, später auch nach Bologna. Seine Studien beendete er bei den Jesuiten in Ingolstadt im Jahre 1604. Sein Onkel Anton Graf Lodron verzichtete im Jahre 1606 zugunsten des Neffen auf sein Kanonikat in Salzburg. 1608 folgte das Kanonikat in Trient und 1611 die Propstei Maria Saal in Kärnten. Im Jahre 1612 war Paris Lodron in Rom. Im März 1614 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Tode seines Onkels Anton Graf Lodron wurde Paris über Wunsch des Markus Sittikus zu seinem Nachfolger als Dompropst sowie zum Präsidenten der erzbischöflichen Hofkammer gewählt. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein seiner späteren Karriere gelegt. Aus diesem Tätigkeitsfeld gewann er Kenntnisse und Erfahrungen, die ihm von großem Nutzen sein sollten. In der Außenpolitik avancierte er zum maßgebenden Berater des Erzbischofs. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern weilte Paris meist in Salzburg, sodass er mit den Salzburger Verhältnissen bestens vertraut war. Mit dem Tod von Erzbischof Markus Sittikus hatte das Erzstift in einer außenpolitisch kritischen Situation seinen Landesfürsten verloren. Die Forderungen der Wahlkapitulation waren demnach auch ein unverzüglicher Beitritt zur Liga, die Erledigung wichtiger politischer Angelegenheiten nur mit Zustimmung des Domkapitels, die Wiedererrichtung der Landschaft, militärische Maßnahmen, die Fortsetzung des Dombaues, das Weiterbetreiben des Gymnasiums und vieles mehr. Bereits aus dem ersten Wahlgang des 13. November 1619 ging Paris Lodron als neuer Salzburger Erzbischof hervor. Der Regierungsantritt war alles andere als leicht, wenn man die kritische außenpolitische Situation bedenkt. Dem 34 Jahre lang regierenden Paris Graf Lodron gelang es aber durch Umsicht und kluge Politik, das Erzstift aus dem Dreißigjährigen Krieg herauszuhalten. Je länger dieser aber dauerte, desto enger wurden die Beziehungen zum Reich. Wenn noch Wolf Dietrich und Markus Sittikus geschickt einem Beitritt zum 1609 gegründeten katholischen Militärbündnis ausweichen konnten, musste Paris Lodron der Liga positiver gegenüberstehen. 1619 wurde auch vom Nichtmitglied Salzburg eine Beitragszahlung verlangt. An Kriegskontributionen flossen daraufhin in den Jahren 1619 und 1620 insgesamt 150.000 Gulden. Im Frühjahr 1621 lehnte Paris Lodron weitere Zahlungen ab, erklärte sich aber bereit, ein Truppenkontingent zu stellen. Beharrlich betonte Salzburg aber seine Stellung als Nichtmitglied des Katholischen Bundes. Trotz dieses Umstandes arbeitete Paris Lodron auf militärischem Gebiet mit der Liga zusammen. 1620 wurden 1000 Musketiere ins Engadin zum Einsatz gegen die protestantischen Graubündner in Marsch gesetzt. 1621 stellte der Erzbischof fünf Fähnlein als Unterstützung des Bayernherzogs unter dem Kommando von Hauptmanns Joseph Ciurletta. Diese Einheiten nahmen an der Belagerung von Tabor in Böhmen teil. 1625 wurden den Kurfürsten von Trier, Mainz und Köln zwei Fähnlein Infanterie gestellt, 1632 nochmals 400 Mann Infanterie und eine Kompanie Kavallerie. Im Jahre 1633 unterstützten 600 Mann die Bayern bei der Sicherung des Innüberganges bei Mühldorf. Ende 1634 wurden fünf Kompanien Söldner dem Kurfürsten Maximilian für die Belagerung von Augsburg gestellt. Die finanziellen Aufwendungen für diese Kriegsdienste und Kriegskontributionen führten das Erzstift an die Grenzen der Belastbarkeit. Der Landesfürst war gewillt, all diese Verpflichtungen gegenüber dem Reich zu erfüllen, stand aber einer sich ständig verschlechternden wirtschaftlichen Lage im Erzstift gegenüber. Besonders schlimm sollte es nach dem Prager Frieden von 1635 werden. Weitere 436.000 Gulden wurden Salzburg abverlangt. Alle Beteuerungen Paris Lodrons, eine so gewaltige Summe nicht bezahlen zu können, fanden kein Gehör. Letzendlich konnte doch noch eine Reduktion auf 350.000 Gulden erreicht werden, die bis 1639 bezahlt wurden. In den Jahren 1637 bis 1652 hatte Salzburg schließlich insgesamt 1,640.100 Gulden an Reichskontributionen aufgebracht. Paris Lodron traf auch umfangreiche Vorbereitungen zur Verteidigung des eigenen Landes. Er nahm ein Darlehen von 100.000 Gulden auf und führte damit Befestigungsarbeiten aus. Dafür stand dem Erzbischof Santino Solari zur Verfügung, der nach modernsten venezianischen Befestigungsmethoden Salzburg zu einer fast uneinnehmbaren Festungsstadt machte. Die dazu erforderlichen Arbeiten wurden von dienstfreien Soldaten, von Sträflingen, Landstreichern, Bettlern, aber auch durch die Robot der Untertanen ausgeführt. Zahlreiche Häuser mussten dazu abgerissen werden. Nach Abschluss der Arbeiten zogen sich die Festungswälle vom Linzer Tor über die heutige Franz-Joseph-Straße bis zum Rosenhügel. Auch die Stadtberge wurden in die Befestigungsanlage mit einbezogen. Neue Truppen wurden aufgestellt und waren zu erhalten. Die Landfahne bestand aus dreizehn Fähnlein, insgesamt also aus rund 3800 Mann. Durch Neuanwerbungen konnte dieser Stand fast verdoppelt werden. Vorräte an Lebensmitteln und Kriegsmaterialien wurden bereitgestellt. Allerdings kam es seit Kriegsbeginn zu einer zunehmenden Teuerung und Lebensmittelknappheit. Auch gab es eine Münzkrise, von der das ganze Reich erfasst wurde. Diese war entstanden durch die Gewinnsucht einzelner Münzherrn, die gute Münzen einschmelzen und zu minderwertigen Münzen umprägen ließen. Die im Lande kursierenden schlechten Münzen wurden weder von den Behörden noch von den Handelsleuten angenommen. Viele Salzburger sollten dabei um ihr Vermögen kommen. Besonders die ländliche Bevölkerung war oft bis zum Ruin betroffen. Als im Mai 1632 München in die Hand der Schweden geriet, erwartete auch Salzburg einen schwedischen Angriff.

Die Stadt war überfüllt von Flüchtlingen. Der Schwedenkönig Gustav Adolf ließ aber das Erzstift unangetastet. Ein Ansinnen Albrechts von Wallenstein, der von Salzburg mit 100 Pferden unterstützt worden war, Winterquartier im Erzstift nehmen zu dürfen, wurde von Paris Lodron abgelehnt. Am Westfälischen Friedenskongress war auch Salzburg mit Gesandten vertreten. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde am 24. Oktober 1648 der Friede verkündet, der dem Reich allerdings schwere Gebietsverluste brachte. Der wirtschaftliche und soziale Druck der Kriegszeit lastete auf der Bevölkerung, und 1645 kam es zu Bauernunruhen. Gegen diese Aufrührer ging Paris Lodron militärisch vor. Trotz der militärischen und politischen Probleme seiner Zeit ließ Paris Lodron den Salzburger Dom fertigstellen. Am 25. September 1628 konnte er schließlich eingeweiht werden. Dieses außergewöhnliche Barockfest dauerte acht Tage und führte illustre Gäste mit ihrem Gefolge nach Salzburg. Die Vielzahl der aus diesem Anlass geprägten Schaumünzen auf die Domweihe belegt die Bedeutung des Festes. Das Salzburger Gymnasium wurde zur Universität erhoben. Die Gründungsurkunde Paris Lodrons ist mit 1.September 1623 datiert. Am 17. Dezember 1625 bestätigte Papst Urban VIII. diese neue Hochschule. Der Landesfürst begann auch, das Itzlinger Moos auszutrocknen und urbar zu machen, da besonders im Frühjahr und Herbst stinkende Nebel aus dem Moor stiegen. Anlass dazu dürfte auch die 1625 in Salzburg grassierende Pest gewesen sein. An sonstigen Bauten Lodrons sind die Kaserne am Gries, das Kloster Loreto und die Lodronschen Familienpaläste anzuführen. Fast an Nepotismus grenzten die Zuwendungen an seine Familie. Er wollte seiner bisher nur in Südtirol begüterten Familie auch einen Salzburger Besitz verschaffen. Paris Lodron war der Gründer des Schneeherrnstiftes, einem Kollegiatstift mit einem Propst, war ein großer Freund der Kapuziner, auch die Klarissen in Maria Loreto verdanken ihm ihre Niederlassung. Er stiftete das Collegium Marianum, ein Erziehungshaus für Knaben in der Bergstraße, und das Rupertinum mit zwölf Stiftsplätzen. Als 1634 die Pest in Süddeutschland neuerlich ausbrach, bot das Schloss Laufen dem Herzog Albrecht von Bayern Zuflucht. Im Jahre 1639 legte Paris Lodron den Grundstein zum Lazarett St.Rochus. Er konnte nur wenige Jahre des Friedens erleben. Im Alter von 67 Jahren verstarb er am 15. Dezember 1653 an Wassersucht und Herzmuskelentartung. Er fand im Dom seine letzte Ruhestätte. Bei der Zerstörung der Domkuppel während des Zweiten Weltkrieges am 16. Oktober 1944 wurde auch die darunter liegende Gruft eingeschlagen und der massive, mit Löwenköpfen verzierte Sarg Lodrons beschädigt. Sein größtes Verdienst war, dass er Salzburg aus dem Dreißigjährigen Krieg heraushalten konnte. In einigen deutschen Ländern betrug der Bevölkerungsverlust durch diesen Krieg bis zu 70 Prozent, ein Schicksal, das Salzburg erspart wurde. Als einziger Salzburger Fürst ist er von Ludwig I. von Bayern in der Walhalla zu Regensburg aufgenommen worden.

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