Markus Sittikus, Graf von Hohenems

18.03.1612 -- 9.10.1619

 

Markus Sittikus wurde am 24. Juni 1574 geboren. Seine Eltern waren Jakob Hannibal Graf von Hohenems, ein Bruder von Erzbischof Wolf Dietrichs Mutter, und Hortensia aus dem italienischen Adelsgeschlecht der Borromeo. Er war somit ein Vetter Wolf Dietrichs von Raitenau und genoss dieselben guten familiären Beziehungen. Als Zweitgeborenem war ihm zwar ein hohes Ansehen gewiss, nicht jedoch Erbaussichten. Ein jüngerer Sohn, der die Vorrechte des Erstgeborenen nicht schmälern durfte, wurde in der damaligen Zeit gewöhnlich dadurch entschädigt, dass die gesamte Familie mit allen Kräften eine andere Karriere zu fördern suchte. Zur Auswahl standen dabei die Laufbahn eines Soldaten - der Vater war selbst ein erfolgreicher Militär, Generalguberneur der vatikanischen Truppen sowie Regimentskommandant der spanischen Armee unter Herzog Alba - oder jene eines Klerikers. Der junge Markus Sittikus zeigte schon früh eine eher scheue und ängstliche Natur, war ein zartes Kind, das von den Geschwistern so manches einstecken musste. Deshalb schien wohl die Laufbahn eines Klerikers für ihn geeigneter. Seine wichtigsten Protektoren waren dabei des Vaters Bruder Markus Sittikus d`Altemps, Neffe des Papstes und Kardinal in Rom, sowie der Erzbischof von Mailand, Carlo Borromeo, der Halbbruder der Mutter, der 1610 heilig gesprochen wurde, und später natürlich Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Der Einfluss der Familie zeigt sich aus dem Umstand, dass die Eltern 1565 von Papst Pius IV. persönlich in Rom getraut wurden. Nach seinem Studium in Italien, das er, elfjährig, am Collegium Germanicum in Rom begann und in Mailand am Collegio dei Nobili fortführte,  wurde Markus Sittikus infolge Verzichtes durch Wolf Dietrich Domherr in Konstanz und Salzburg, wo er am 15. April 1589 aufschwor. Trotzdem wandte er sich wieder nach Rom, wo er sich in der Nähe des Papstes aufhielt. Auch sonst wurde er, wo es nur ging, mit gutdotierten Missionen und auch Bargeld gefördert. Mit der Aufnahme in das Salzburger Domkapitel waren ihm ausreichende Einkünfte gesichert. Das Scheitern eigener Aussichten auf eine Kardinalswürde dürfte zu einem Komplex von Neid und Mißgunst gegen Wolf Dietrich geführt haben. Nach dessen Resignation ging aus der Wahl vom 18.März 1612 trotz aller Bemühungen zugunsten des Hauses Wittelsbach Markus Sittikus als Sieger hervor. Er sollte nur sieben Jahre das Erzstift regieren und nur um zwei Jahre seinen Vetter Wolf Dietrich überleben.

 

 

Markus Sittikus, ein ich-bezogener, skrupelloser, auf Äußerlichkeiten ausgerichteter Charakter, war zugleich ein Mann von hohem Kulturbedürfnis und Kunstverständnis. Als Theaterliebhaber und Freund prunkvoller Aufzüge verstärkte er damit die italienische Note des damaligen Salzburg. Markus Sittikus war völlig anders als Wolf Dietrich, nämlich ängstlich, willensschwach, zugleich aber auch intrigant und raffgierig. So entwickelte er eine krankhafte Angst vor einer Rückkehr seines auf der Feste Hohensalzburg inhaftierten Vorgängers. Dies sollte in Boshaftigkeit und Kleinlichkeit gegenüber diesem ausarten und eine Freilassung verhindern. Selbst Schloss Altenau ließ er in Mirabella umbenennen. Anstelle des schon von Wolf Dietrich für den Neubau des Domes gelegten Grundsteines wurde 1614 ein neuer gelegt. Die Verdienste des Markus Sittikus lagen in einer geschickten Diplomatie. Er konnte sich einem Beitritt zur Katholischen Liga entziehen und dadurch das Erzbistum letztendlich aus dem Dreißigjährigen Krieg heraushalten. Durch seine Neutralitätspolitik und sein sonstiges Verhalten gelang es ihm, sowohl die Bayern als auch das Domkapitel für sich zu gewinnen. Seine Kirchenpolitik im Sinne der Gegenreformation war hart und kompromisslos. Aus einem echten Katholizismus heraus begann er mit der großen Generalvisitation der Jahre von 1613 bis 1617. Dank seinem Interesse an der italienischen Baukunst entstand Schloss Hellbrunn und wurde mit dem Neubau des Domes, nun nach den Plänen von Santino Solari, begonnen. Schloss Hellbrunn mit seinen Grotten, Mosaiken und Wasserspielen, die einzige italienische Villa dieser Art, die sich auf deutschem Boden erhalten hat, war binnen weniger Monate fertiggestellt. Ferner gründete er das Salzburger Gymnasium, die spätere Universität. Bereits 1620 wurden 388 Hörer von elf Professoren unterrichtet. In der relativ kurzen Regierungszeit dieses Landesfürsten wurden also viele Bauwerke, Tore und auch Umbauten errichtet, sodass man seinen Steinwappen häufig begegnet. Eine bereits unter Wolf Dietrich begonnene Münzverschlechterung setzte sich fort. Mindere ausländische Kleinmünzen überschwemmten Salzburg und ließen die noch guthaltigen Salzburger Taler in die Schmelztiegel ausländischer Münzherrn wandern. In einer Zeit der Kriegsgefahr, die ganz Europa bedrohte, starb Markus Sittikus am 9. Oktober 1619. Seine Regierung war überschattet gewesen von seinem gefangenen Vorgänger, von dem er stets befürchtet hatte, er werde ausbrechen und die Macht wieder an sich ziehen. Beim Ableben des Erzbischofs war das Kirchenschiff des heutigen Domes bereits unter Dach.

 

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