Wolf Dietrich von Raitenau

03.03.1587 -- 07.03.1612

 

Wolf Dietrich von Raitenau wurde am 26. März 1559 auf Schloss Hofen in Lochau bei Bregenz geboren. Seine Eltern waren der kaiserliche Obrist Hans Werner von Raitenau und Helena von Hohenems. Diese war eine Schwester des Kardinals Merk Sittich von Hohenems und mütterlicherseits eine Nichte des Giovanni Angelo de Medici, der als Papst Pius IV. von 1559 bis 1565 regierte. Über ihren Bruder Jakob Hannibal war sie außerdem eine Schwägerin des Carlo Borromeo, Erzbischof von Mailand. Die Raitenauer, ein zwar altes Geschlecht, doch nur von niederem Adel, waren um das 13. Jahrhundert von Graubünden in die österreichischen Vorlande eingewandert. Sie hatten sich zunächst als Kriegsleute der Klöster St.Gallen oder Lindau, der Grafen von Montfort in Feldkirch und der Habsburger verdingt. Auch stellten sie Äbte und Äbtissinnen kleinerer Klöster.

Wolf Dietrich wuchs zunächst auf der väterlichen Herrschaft auf. Unter den Geschwistern war er der Erstgeborene. Er wurde von den Eltern für eine kirchliche Laufbahn bestimmt, obwohl er selbst gerne Offizier geworden wäre, ein Wunsch und Jugendtraum, der in ihm nie versiegen sollte. Der junge Wolf Dietrich wurde zunächst in einem Konvikt in Günzburg erzogen, ab 1574 nahm er juridische Studien an der Universität von Pavia auf. Die Eltern sollten mit der Berufsbestimmung Wolf Dietrichs Recht behalten. Die verwandtschaftlichen Beziehungen verschafften dem erst Zwölfjährigen bereits eine Domherrnstelle in Konstanz; die Stifte Murbach und Lüders im Elsass sollten mit der Koadjutorswürde folgen. An weiteren Pfründen kamen dann noch die Stellung als Dompropst von Basel und 1578 ein Salzburger Kanonikat hinzu. Reisen führten den jungen Mann über Oberitalien und die Schweiz nach Frankreich und Spanien. Ein fünfjähriger Romaufenthalt und eine Ausbildung am Collegium Germanicum waren für Wolf Dietrich sicher prägend. Am Gipfel seiner Karriere ging er als Erzbischof von Salzburg aus der Wahl vom 2. März 1587 hervor. Dazu brauchte er allerdings eine päpstliche Dispens. Sein feierlicher Einzug erfolgte am 19. Oktober 1587 von Schloss Freisaal aus. Als Landesfürst zeigte sich Wolf Dietrich vor allem prunkliebend. Er verband aber mit seinem herrschsüchtigen und ungestümen Wesen auch einen hohen Kunstsinn, für welchen allerdings nur die italienische Richtung ausschlaggebend war. Er verkörperte das Bild eines absolutistischen Renaissancefürsten, der einerseits seine Macht rigoros durchsetzte, andererseits aber fortschrittliche sozialpolitische Vorhaben realisierte.

 

Die Eltern

 

Am Beginn seiner Regierung war nach wie vor die Glaubensspaltung zentrales Thema. Wolf Dietrich ließ keinen Zweifel daran, dass er ein Verfechter des Absolutismus war. In diesem Sinne entstanden eine prunkvolle Residenz und weitläufige Plätze. Für den neuen Dom und die Neugestaltung der Stadt ließ er an die 60 Häuser abreißen. Wolf Dietrich entwickelte ein weitläufiges Mäzenaten- und Sammlertum. So entstanden wertvolle Sammlungen von Grafiken, Gemälden, Büchern, Tapisserien und Goldschmiedearbeiten. Mit der Einführung des kupfernen Wahrzeichengeldes als Ersatzgeld zum günstigeren Einkauf in den landesfürstlichen Betrieben bekundete der Erzbischof auch sein großes Interesse am Bergwesen. Mit dem durch seinen ausgeprägten Absolutismus beschwerten Domkapitel kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen. Wolf Dietrich duldete auch keine Mitregierung der Landstände. Dass der Raitenauer fast zwei Jahrzehnte ohne sie regierte, sollte später zu den Anklagepunkten gegen ihn zählen. Schon bald nach seinem Regierungsantritt wandte er sich der Steuerpolitik zu. Seine Landsteuern, Türkenhilfen, Umgelder auf alkoholische Getränke und Mauten aus dem Salzburger Handel sind Ansätze einer rigoros betriebenen Wirtschaftspolitik. Aus seiner Aufgeschlossenheit für die Schul- und Gesundheitspolitik resultierten zahlreiche Erlässe. In der Außenpolitik hatte er nur Unglück. Das Erzstift Salzburg war ja von Bayern und den habsburgischen Erbländern umschlossen. Notgedrungen musste er sich deshalb an München und Wien orientieren. Wolf Dietrich wollte sich dabei neutral und unparteilich verhalten. Die am 28. Oktober 1592 unter Führung des Jakob Hannibal von Raitenau gegen die Türken ausgezogenen und am 18.Juni 1593 heimgekehrten Befehlshaber, Offiziere und Soldaten erhielten neben dem Sold - je nach Rang - Goldstücke zu drei bis fünf Dukaten und Silbertaler, da es zu jener Zeit noch keine Orden gab. Wolf Dietrich trat für eine effiziente Türkenhilfe für das Reich ein und sprach in einem „Türkengutachten“ diesen die Unbesiegbarkeit ab, kritisierte aber gleichzeitig die Unfähigkeit der kaiserlichen Militärstellen. Da seine Anregungen zur Türkenfrage im Reich nicht beachtet wurden, sabotierte er weitere Verhandlungen über Türkenhilfen und setzte sich dem Vorwurf der Reichsfeindlichkeit aus. Seine Unterstützung in den Kämpfen gegen die Türken wurde von den Habsburgern deshalb wenig geschätzt, da Wolf Dietrich die Planung und Durchführung der Feldzüge in seine Hand nehmen wollte. Als Kaiser Rudolf II. am 24. August 1594 das Geschlecht der Raitenau zu „Edlen Herren“ erhob, nahm der Erzbischof diese schon vorher angekündigte Erhöhung seines Standes vorweg und schon 1593 zum Anlass, sein Wappen zu erweitern. Im Herbst 1595 mobilisierte er 14.000 Mann, um gegen eine Besetzung von Kloster und Stadt Mondsee vorzugehen. Kam es in diesem Fall auch dann noch nicht zu einem Ausrücken der Truppen, so ging 1602 tatsächlich ein salzburgisches Aufgebot gegen aufständische Salzarbeiter, Bürger und Bauern im Salzkammergut vor, welche in der Nähe von Ischl aufgerieben wurden. Anlass für ein Zerwürfnis mit Bayern war das Salz vom Halleiner Dürrnberg. Man stritt über Preiserhöhungen. Ein neuer Salzvertrag 1594 sollte für einige Zeit Beruhigung bringen. 

 Salome Alt

Mit der Wahl zum Erzbischof war Wolf Dietrich zum anerkannten Familienmitglied geworden. Sein autoritäres, aufbrausendes, häufig inkonsequentes, undiplomatisches, unruhiges und kleinliches Wesen gab schon unter Zeitgenossen Anlass zu Kritik. Für seine Familie sorgte er großzügig. Seine Lebensgefährtin Salome Alt schenkte dem Erzbischof seit 1593 insgesamt fünfzehn Kinder. Die eheähnliche Verbindung mit ihr versuchte er durch eine Standeserhebung aufzuwerten. 1609 nahm Kaiser Rudolf II. Salome Alt und deren Kinder in den Reichsadelsstand auf, wodurch der Makel der unehelichen Geburt beseitigt wurde. Obwohl auch Papst Sixtus V. dem Wolf Dietrich gut gesonnen war, war es dem Erzbischof durch den Einfluss Bayerns und auch wegen seiner Verbindung zu Salome Alt nicht möglich, die Kardinalswürde zu erlangen. Die Reaktion des Erzbischofs mag man aus einer Verordnung erkennen, wonach weder ein Österreicher noch ein Bayer Fürst von Salzburg werden dürfe. Seitdem fühlte er sich auch immer mehr zur Lehre Macchiavellis hingezogen. Dieser lehrte eine Staatskunst, der die sittliche Grundlage fehlt und wo die Klugheit zur Richtschnur des Handelns gemacht wird. Dass der Landesfürst seiner Zeit voraus war, bewiesen die Bemühungen um das Schulwesen, seine modernen Quarantänebestimmungen in Pestzeiten und vieles mehr. Die von Erzbischof Belasi in der alten Kirchgasse erst um 1580 fertiggestellte Salzburger Münze wurde am 18. August 1605 abgerissen, um mit dem Neubau der Residenz beginnen zu können. Mit der Besetzung Berchtesgadens durch Salzburger Truppen beging Wolf Dietrich seinen größten Fehler. Der gewaltigen militärischen Übermacht Bayerns hatte er nämlich nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Am 22.Oktober 1611 überschritten bayrische Truppen die Grenzen des Erzstiftes und musste Wolf Dietrich samt seiner Familie aus Salzburg flüchten. Südlich des Katschberges wurde der Erzbischof festgenommen, zunächst auf der Feste Hohenwerfen und danach auf der Feste Hohensalzburg inhaftiert. Obwohl Papst Paul V. den Salzburger Erzbischof unter seine Obhut nahm, war das Schicksal des Raitenauers besiegelt. Herzog Maximilian von Bayern stellte den Erzbischof unter Anklage. Anklagepunkte hatte Wolf Dietrich ja bereits einige geliefert. So wurde ihm folgendes vorgeworfen: Nichtbeitritt zur Liga, der langjährige Salzkrieg gegen Bayern, die Aggression gegen Berchtesgaden, Nichterfüllung von Reichspflichten zur Türkenhilfe, geringer gegenreformatorischer Eifer, autoritäre Haltung gegenüber dem Domkapitel und den Landständen, das Konkubinat mit Salome Alt, sogar Ketzerei und versuchte Säkularisation zugunsten eines seiner Söhne. Am 7. März 1612 brachte man Wolf Dietrich schließlich so weit, dass er sein geistliches Amt niederlegte. Weitere fünf Jahre der Gefangenschaft folgten. Alle Bittschriften um Freilassung blieben unbeachtet. Am 16. Jänner 1617 verstarb Wolf Dietrich achtundfünfzigjährig an einem Schlaganfall. Selbst der Wunsch nach einem einfachen Begräbnis wurde ihm nicht erfüllt, es sollte ein pompöser Leichengang zelebriert werden. Als einziger Erzbischof wurde er nicht im Dom, sondern in dem von ihm errichteten Mausoleum auf dem St. Sebastiansfriedhof beigesetzt. Im Jahre 1786 erfolgte die erste offizielle Exhumierung Wolf Dietrichs, da Schäden am Sarg festgestellt worden waren. Insgesamt sollte die Gruft zwölfmal für weitere Beisetzungen oder Restaurierungen geöffnet werden, zuletzt am 12. Oktober 1967.

 

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