Ernst von Bayern

10.10.1540 -- 16.4.1554

 

Ernst wurde als dritter und jüngster Sohn Herzog Albrechts IV. von Bayern im Jahre 1500 geboren. Trotz weltlicher Neigungen und eines ständigen persönlichen Widerstandes wurde er von der Familie für eine geistliche Laufbahn bestimmt. In seiner Jugend erhielt er unter dem Erzieher Johann Turmair, dem bedeutendsten bayrischen Humanisten und Historiker, eine hervorragende Ausbildung. Nach Italienaufenthalten zu Studienzwecken absolvierte Ernst weitere Studien  in Ingolstadt. Obwohl er sich nach wie vor gegen eine geistliche Laufbahn sträubte und sich demgemäß auch weigerte, höhere Weihen zu empfangen, wurde er schon 1516 Administrator des Bistums Passau, das er bis 1540 leitete. Ernst erhob gegenüber seinen Brüdern Wilhelm und Ludwig Ansprüche auf die Mitregentschaft in Bayern und auf einen Anteil aus den Einkünften. Ein dadurch ausgelöster Streit unter den Brüdern, der sich durch Jahrzehnte hinzog, endete mit einem Vertrag 1543. Darin ließ sich Ernst seine Ansprüche von den Brüdern und deren Erben gegen gewaltige Summen abkaufen. Mit Herzog Ernst von Bayern sollte nach 350 Jahren wieder ein Wittelsbacher den Salzburger Bischofsstuhl innehaben. Gegen den Willen Kaiser Karls V. beharrten nämlich die Wittelsbacher auf einem im Jahr 1525 geschlossenen Vertrag mit dem Erzbistum Salzburg, der als Nachfolger des Erzbischofs Matthäus Lang einen Wittelsbacher vorschrieb. Kaum war die Kunde vom schlechten Gesundheitszustand des Matthäus Lang in aller Munde, traten Bewerber um das Amt des Koadjutors und Nachfolgers auf den Plan. Kaiser Karl V. favorisierte dabei den Erzbischof von Lund, Johann Weeze, der zu seinen einflussreichsten Diplomaten zählte. Herzog Ludwig von Bayern hingegen machte dem Salzburger Domkapitel unmissverständlich klar, dass man in Bayern auf dem Vertrag von 1525 beharre.

Am 4. März 1540 entschloss man sich letztlich, diesen zu ratifizieren. Dafür aber musste Herzog Ernst eine Wahlkapitulation unterfertigen, die 30 Artikel enthielt, z.B., dass der Herzog nur zu Handen des Kapitels zurücktreten dürfe, weder Ritterorden noch Mönchsorden in Salzburg einzuführen, etc.. Nun stand seiner Bestellung zum Koadjutor nichts mehr im Wege. Durch den Tod des Erzbischofs Matthäus Lang am 30.März 1540 konnte es aber zur Bestellung nicht mehr kommen. Um dem Papst zuvorzukommen, wählte das Kapitel schon am 21.April Herzog Ernst zum Erzbischof. Ihm wurde eine Frist von zehn Jahren gesetzt, um die kirchlichen Weihen anzunehmen. Nach Fristablauf wurde diese um weitere vier Jahre verlängert. Bedingt durch den Umstand, dass Ernst die kirchlichen Weihen ablehnte, sind auch keine bischöflichen Insignien auf seinem Wappen zu sehen. Er  nannte sich selbst stets „zum Erzbischof Konfirmierter“, zumal er das Erzstift in den folgenden Jahren als weltlicher und geistlicher Administrator leitete. Ernst baute die absolutistischen Tendenzen seines Vorgängers weiter aus und widmete sich der unternehmerischen Tätigkeit. Er pflegte den Handel mit dem Süden und kümmerte sich besonders auch um den Bergbau. So besaß er selbst Anteile am Goldbergbau in Rauris, Gastein, im Zillertal und in Eule bei Iglau in Böhmen. Blei bezog er aus Anteilen am Bleiberg in Kärnten und in Raibl bei Tarvis. Silber und Kupfer gewann er aus eigenen Unternehmen in Tirol, der Steiermark, in Kärnten und dem Bayrischen Wald. Den Silberhandel für die Salzburger Münze nahm er selbst in die Hand. Durch eine kluge und straffe Wirtschaftspolitik erreichte er eine Spitzenposition innerhalb aller Bergwerke Mitteleuropas. Die Reichspolizeiordnung wurde auf Salzburg übertragen. Herzog Ernst befasste sich auch intensiv mit der Herstellung einer geordneten Verwaltung. Aus seiner Zeit stammt eine bedeutende Bibliothek, die nicht weniger als 2500 Bände umfasste. Die besonderen Interessen des Herzogs galten den Naturwissenschaften, vor allem der Alchemie und der Mineralogie. Er erneuerte das Schloss Freisaal, wölbte und baute mehrere Säle im Bischofshof und errichtete dort eine Bäckerei, Schmiede und Braustatt. Im Verhältnis zum Reich setzte Ernst keine besonderen Akzente, vernachlässigte aber auch seine Pflichten als Landesfürst nicht. Er war erklärter Gegner der Lutheraner und unerbittlicher Verfolger der Wiedertäufer. Nachdem im Jahre 1550 die zehnjährige Frist zum Empfang der höheren Weihen abgelaufen war, schien es ihm ungewiss, wie lange er noch das Erzstift werde verwalten können. Eine Bewerbung von Christoforo Kardinal Madruzzo zum Koadjutor konnte abgetan werden, indem die Frist um vier Jahre verlängert wurde. Als sich auch diese dem Ende näherte, versuchte Ernst nochmals eine Verlängerung zu erreichen. Dieses Ansuchen wurde nun aber abgelehnt. Nachdem Herzog Ernst am 11.Juli 1554 die ablehnende Antwort aus Rom erhalten hatte, gab er am 16.Juli seine Resignation bekannt. Er zog sich daraufhin in die Grafschaft Glatz zurück, wo er am 7. Dezember 1560 verstarb.

 

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