Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg

5.4.1519 -- 30.3.1540

 

Matthäus Lang wurde um das Jahr 1468 geboren. Sein Geburtsjahr ist nicht exakt bekannt. Wenn auch viele Umstände für das Jahr 1468 sprechen, kommt auch das Jahr 1469 in Frage. Seine Familie gehörte dem Augsburger Patriziat an. Seine Eltern waren Hans Lang und die ebenfalls aus dem Augsburger Patriziat stammende Margarethe Sulzer. Die Ehe der Eltern war kinderreich. Von den dreizehn Nachkommen starben allerdings drei bereits als Kinder, zehn erreichten das Erwachsenenalter. Unter den fünf Brüdern Hans, Markus, Lukas, Matthäus und Leonhard war Matthäus vermutlich der Zweitjüngste. Die Schwestern hießen Apollonia, Anna, Felicitas, Regina und Ottilia, die früh verstorbenen weiteren Geschwister Ulrich, Margarete und Georg. Im Jahre 1507 wurde der Vater mit der erkauften Wellenburg auf dem Lechfeld bei Augsburg belehnt.

 

Matthäus Langs Laufbahn begann zunächst als Sängerknabe und mit Privatunterricht bei einem alten Priester des Stiftes St.Stephan in Augsburg. Am 24. April 1485 immatrikulierte er an der Universität Ingolstadt und erlangte dort 1486 das Baccalaureat. Im Jahre 1489 wechselte er an die Universität Tübingen und schloss dort mit Sponsion zum Magister artium liberalium am 11. August 1490 ab. Seine bereits in Tübingen begonnenen juristischen Studien setzte er ab 13. April 1493 in Wien fort. In weiterer Folge trat Matthäus Lang, der fließend Latein und möglicherweise auch Italienisch sprach, in die Dienste des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg, dem Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Von dort aus gelang ihm die wohl wichtigste Weichenstellung für seine spätere Karriere. Matthäus wurde Sekretär König Maximilians, des späteren römisch deutschen Kaisers Maximilian I. Zunächst als Privatsekretär tätig, muss Lang rasch Einfluss gewonnen haben. Ab 1496 begann zudem auch die kirchliche Laufbahn des mittlerweile Achtundzwanzigjährigen, die ihn zum Kardinalbischof von Albano und letzlich zum Fürsterzbischof von Salzburg werden ließ. Wann Lang durch die Erteilung der Tonsur in den Klerikerstand aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. 1494 muss er aber schon Kleriker gewesen sein, da er sich bereits um Pfründen bemühte. Die erste, die er erlangte, war die Probstei Maria Wörth in Kärnten. 1497 hatte er bereits eine zweite Pfründe, nämlich ein Kanonikat am Kollegiat-Stift St.Peter und Alexander in Aschaffenburg. Im selben Jahr sagte ihm König Maximilian auch noch die Doppelpfarrei Gars-Eggenburg im Waldviertel zu, welche Pfründe er 1500 erlangte. Lang, selbst nicht Priester, ließ die Pfarrei durch Vikare versehen. Die Probstei Maria Wörth vertauschte er 1501/1502 gegen die Zisterzienser-Abtei Viktring bei Klagenfurt. Lang stand ungeachtet dieser Pfründen nach wie vor im Dienst des Königs Maximilian. Man sah in ihm bereits einen der führenden Hofleute, dessen Gunst man zu gewinnen suchte. 

 

So war es nicht weiter verwunderlich, dass er und auch seine Familie am 26. August 1498 in den erblichen Adelsstand erhoben wurden. Doch damit nicht genug: Mit Hilfe Maximilians stieg er im Jahre 1500 zum Dompropst von Augsburg auf. Nun suchte Matthäus Lang auch eine bischöfliche Würde zu erlangen. Am 5.Juni 1501 wurde er zum Vikar und Prokurator des Bistums Gurk bestimmt, was ihn infolge des Nachfolgerechtes letzendlich zum Fürstbischof von Gurk aufsteigen ließ. Matthäus Lang empfing die erste der höheren Weihen allerdings erst am 17.Dezember 1513, und zwar vom Papst persönlich. Dem ehrgeizigen Lang war die Bischofswürde von Gurk deshalb wichtig, weil mit ihr der Fürstentitel verbunden war. Matthäus Lang, auch bereits Kaiserlicher Rat, konnte sich nun „Fürst und Rat“ nennen. In den Jahren 1501 bis 1508 hatte er eine Vielzahl von Agenden für Maximilian zu besorgen; man kann sagen, dass er als Diplomat in den Diensten des Königs stand. 1505 setzte das Bemühen Langs ein, nun auch Bischof von Augsburg zu werden, was allerdings nicht gelang. Ende 1506 war er aber jedenfalls so wohlhabend, dass er König Maximilian 40.000 Gulden zur Verfügung stellen konnte. Dafür erhielt er unter Vorbehalt der landesfürstlichen Oberhoheit und jenem der Wiedereinlösung die Gerichtsherrschaft Kitzbühel. Für weitere Leihen bekam er als Pfand die Herrschaft Osterwitz in Kärnten und die Stadtsteuer von Augsburg. Im Jahre 1510 erlangte er die Dompropstei Konstanz. Am 10.März 1511 wurde er von Papst Julius II. zum Kardinal erhoben - ein weiterer Meilenstein in seiner außergewöhnlichen Laufbahn. Mit 5.September 1512 anerkannte ihn der Papst auch als Bischof von Cartagena in Spanien. Das Erzbistum Salzburg gehörte in dieser Zeit zu den vornehmsten Bischofssitzen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Salzburg war damals das wichtigste und auch reichste Bistum Süddeutschlands. Vor allem war damit auch eine weitere Würde verbunden, nämlich jene des Legatus natus. Natürlich waren auch die Bodenschätze und die geografische Lage von Bedeutung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Lang um keine Würde so bemühte wie um die des Erzbischofs von Salzburg. Mit Bulle vom 5.April 1512 ernannte Papst Julius II. über Fürsprache Maximilians ihn dann auch zum Koadjutor des Salzburger Erzbischofs Leonhard von Keutschach mit dem Recht der Nachfolge. Langs ehrgeizigen Plänen gefährlich war der Widerstand Salzburgs gegen die Koadjuterie. Dass hinter diesem Widerstand auch Bayern stand, ist anzunehmen, sollte doch anfänglich einer der Söhne Herzog Albrechts IV., Ludwig, als Koadjutor von Salzburg bestimmt werden. Doch alle Bemühungen gegen Lang waren erfolglos. Rom blieb bei der Verfügung zu seinen Gunsten. Nachdem Erzbischof Leonhard von Keutschach am 8.Juni 1519 verstorben war, konnte er endlich die Nachfolge antreten. Kardinal Matthäus Lang hielt am 23. September 1519 Einzug; erst ab Februar 1522 sollte seine eigentliche Regierung in Salzburg beginnen, da er zuvor noch häufig abwesend war. Auch in Salzburg waren die Zeichen der Reformation und einer drohenden Kirchenspaltung nicht mehr zu übersehen. Da  Matthäus Lang die ersten Jahre nach seinem Regierungsantritt nach wie vor im diplomatischen Dienst Maximilians tätig war, blieben Maßnahmen gegen das Eindringen der neuen Lehren seinen Räten vorbehalten. Spannungen zwischen der Bürgerschaft und dem Erzbischof führten im Jahre 1523 zu einer militärischen Auseinandersetzung, die Lang für sich entscheiden konnte. Die unblutig verlaufene Auseinandersetzung wurde als „Lateinischer Krieg“ bezeichnet. Folge der Niederlage war, dass die Vertreter der Stadt schriftlich auf alle strittigen Rechte verzichten und den Erzbischof ohne Einschränkung als Stadtherrn anerkennen mussten sowie ein Zwangsdarlehen von 4.000 Gulden zur Bedeckung der Kosten für die Söldner zu gewähren hatten. Energische Maßnahmen, wie etwa die Salzburger Stadt- und Polizeiordnung, ein Religionsmandat, Visitationen und vieles mehr folgten. Das Ende der bürgerlichen Freiheiten war gekommen. Die Salzburger Aufstände der Jahre 1525 und 1526 stellten Lang vor eine neue Bewährungsprobe. Gewerken und Knappen, die am 24. Mai 1525 den Kampf gegen ihren Landesherrn beschlossen, erzielten anfänglich militärische Erfolge. Mehrere Schlösser und Amtssitze wurden erobert, darunter die Feste Hohenwerfen, die den Aufständischen ohne Widerstand in die Hand fiel. Auch die Stadt Hallein wurde besetzt. Als das Heer der Aufständischen dann auch noch gegen die Stadt Salzburg marschierte, zog sich Lang auf die unbezwingbare Feste Hohensalzburg zurück, wo er belagert wurde. Er war damit in eine Bedrängnis geraten, die Salzburg als leichte Beute für Nachbarfürsten erscheinen ließ. Nach einer Hilfezusage des Schwäbischen Bundes änderte sich die Lage nochmals zugunsten Langs. Den Aufständischen blieb letztlich nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen. Der 1526 losgebrochene Pinzgauer Bauernkrieg wurde von Truppen des Schwäbischen Bundes erstickt. Wenn Matthäus Lang nun doch als Landesfürst verblieb, war er alles andere als beliebt. Seine Verdienste waren die Schaffung eines neuen Beamtenstaates, eine umfassende Gesetzgebung und eine dauerhafte Regelung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten. Die Kriegsschäden musste er durch Sparsamkeit wieder hereinbringen. Wohl deshalb setzte er bloß die Straßenbauten seines Vorgängers fort und hinterließ sonst kaum bauliche Spuren. Auf der Feste Hohensalzburg ließ er durch venezianische Meister die Zisterne graben. Der Kardinal verstarb am 30.März 1540. Er wurde neben vier anderen Erzbischöfen vor dem St.Rupertus-Altar begraben. Lang, der während seines ganzen Lebens Prunk und Pracht geliebt hatte, erhielt nur ein schlichtes Grabmal. Sein Epitaph hatte offenbar nicht einmal eine reliefartige bildliche Darstellung. Lang war der Kirchenfürst mit der größten Pfründenhäufung und den wohl mächtigsten Beziehungen.

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