Rudolf II.

 

Rudolf, Erzherzog von Österreich, König von Ungarn 1572 bis 1608, König von Böhmen 1575, römisch deutscher König 1575, römisch deutscher Kaiser 1576, wurde am 18.7.1552 in Wien geboren. Seine Eltern waren Kaiser Maximilian II. und Maria, Tochter des Kaisers Karl V. Rudolf war nicht verheiratet, weshalb sein Bruder Matthias Nachfolger wurde. Er wurde am Hof seines Onkels Philipp II. von Spanien streng katholisch erzogen. Wichtige politische Meilensteine waren die Wahl und Krönung zum König von Ungarn am 25.9.1572 in Pressburg, die einstimmige Wahl zum König von Böhmen am 7.9.1575 mit Krönung am 22.9.1575 im St.Veits-Dom in Prag, am 27.10.1575 die einstimmige Wahl zum römisch deutschen König mit Krönung am 1.12.1575 in Regensburg und die Wahl zum römisch deutschen Kaiser am 12.10.1576. Rudolf war zwar hoch gebildet, bei Entscheidungen in politischen Belangen allerdings wenig beständig.

 

Die Eltern Der Bruder Matthias

 

Im Jahre 1578 übertrug er seinem Bruder Erzherzog Ernst die Verteidigung der ungarischen Grenze und die Statthalterschaft im Land ob und unter der Enns. Im selben Jahr traten erste Anzeichen einer Geisteskrankheit (schwere Melancholie, Verfolgungswahn) auf und begann der Bruderzwist mit Matthias. Mit den Jahren politisch zunehmend desinteressiert, begann Rudolf sich der Astronomie und Alchemie und künstlerischen Interessen zu widmen. 1583 verlegte er seine Residenz nach Prag auf den Hradschin.

Kaiser Rudolf II.

 

Obwohl im Jahre 1592 der Friede mit der Türkei neuerlich bekräftigt wurde, kam es nach wie vor zu Türkeneinfällen in das Reichsgebiet. Am 13.8.1593 erklärte schließlich Sultan Murad III. förmlich den Krieg, der 13 Jahre lang dauerte. Die Übermacht der Türken war so groß, dass Rudolf beim Reichstag in Regensburg 1594 von den deutschen Fürsten die Zusage von Hilfstruppen erhielt. Wegen der Pest in Prag war er 1599 gezwungen, die Residenz nach Pilsen zu verlegen. 1602 ließ der Kaiser eine neue Kaiserkrone anfertigen, die allerdings zu schwer war, um getragen zu werden. Sie ist in der Schatzkammer in Wien aufbewahrt. Ab November 1604 flammte zusätzlich zum Türkenkrieg ein Aufstand in Ungarn auf, der so eskalierte, dass der Verlust Ungarns drohte. Dazu kam, dass sich im Jahre 1605 die Erkrankung des Kaisers so sehr verschlechterte, dass Stimmen laut wurden, sich über die Nachfolge Gedanken zu machen. Bereits 1606 gab es in Wien Geheimverhandlungen mit dem Ziel der Absetzung Rudolfs und der Ernennung seines Bruders Matthias zum neuen Kaiser. Im Mai 1608 zog Matthias mit einem Heer gegen Prag und erzwang damit eine Einigung unter den Brüdern mit Vertrag von Lieben bei Prag. Aufgrund der Untätigkeit im ungarischen Aufstand als auch im Türkenkrieg wurde Rudolf  darin gezwungen, zugunsten seines jüngeren Bruders Matthias auf Österreich, Ungarn und Mähren zu verzichten. Matthias trat im Gegenzug seine Rechte in Tirol und den Vorlanden an seinen Bruder, Erzherzog Maximilian III., ab. Am 19.11.1608 fand sodann die Krönung von Matthias zum König von Ungarn statt.  1611 mußte Rudolf auch Böhmen dem Bruder überlassen, der am 23.5.1611 in Prag zum böhmischen König gekrönt wurde.. Damit war Rudolf praktisch entmachtet und blieb nur mehr formell römisch deutscher Kaiser. Er starb am 20.1.1612 in Prag an Wassersucht und ist in der Metropolitankirche im St.Veit-Dom in Prag beigesetzt.