Karl VI.
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Karl, Erzherzog von Österreich, König von
Spanien 1703-1714, römisch deutscher König 1711, römisch deutscher
Kaiser 1711, König von Ungarn 1712, König von Böhmen 1723, wurde am
1. Oktober 1685 in Wien geboren. Seine Eltern waren Kaiser Leopold I.
und Eleonore Magdalene, Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der
Pfalz-Neuburg. Am 1.8.1708 in Barcelona Hochzeit mit
Elisabeth Christine, der Tochter des Herzogs Ludwig Rudolf von
Braunschweig-Wolfenbüttel. Der Ehe entstammten vier Kinder: Leopold,
Maria Theresia, Maria Anna und Maria Amalie.
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| Elsiabeth Christine | Maria Theresia |
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Karl, der melancholisch bedächtige Bruder des
tatkräftigen und lebensfrohen Josef I., als Zweitgeborener für den
geistlichen Stand bestimmt und von Jesuiten erzogen, trug acht Jahre
lang die spanische Königskrone und neunundzwanzig Jahre lang die römische
Kaiserkrone. Nach dem Tode des kinderlosen Karls II. von Spanien von
seinem Vater als Erben bestimmt und zum spanischen König ausgerufen,
war es stets seine Sorge, dieses spanische Erbe zu sichern. Im
Spanischen Erbfolgekrieg in Kämpfe verwickelt, war er gerade in
Barcelona eingeschlossen, als er die Nachricht vom Tod des Bruders
erhielt. Wenn auch die Kurfürsten von Bayern und Köln die Wahl zum römischen
König verhindern wollten, wurde er in Abwesenheit am 12.10.1711 gewählt
und am 22.12.1711 auch zum römischen Kaiser. Endlich traf er am
26.1.1712 in Wien ein, um die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Seine
Gemahlin liess er in Spanien als Regentin zurück. Karl VI. trug nun
sowohl die spanische Krone, obwohl diese noch nicht gesichert war, als
auch die römische Kaiserkrone. Der Plan, das Reich Karls V. wiederentstehen
zu lassen, entstand. Die politischen Gegensätze waren dafür aber zu
groß. Besonders England und Frankreich wollten mit allen Mitteln ein
Wiedererstarken eines derartigen Reiches verhindern. Am 22.5.1712
erfolgte in Pressburg die Krönung zum König von Ungarn. Im Frieden von
Utrecht wurde wurde schließlich Philipp V. von Anjou als König von
Spanien anerkannt. Karl VI. gab aber Teile des spanischen Erbes endgültig
erst mit Friedensvertrag von Rastatt auf, mit welchem der Spanische
Erbfolgekrieg beigelegt werden konnte. Der Kaiser musste sich darin mit
Neapel, Mailand, Sardinien und den spanischen Niederlanden begnügen,
verweigerte aber nach wie vor die Anerkennung Philipps V. als spanischer
König. Inzwischen war das Haus Habsburg als
Bundesgenosse der Republik Venedig in einen Krieg mit den Türken
involviert worden. Dank der Siege des Prinzen Eugen gelangte das Haus Österreich
auf einen später nie wieder erreichten Höhepunkt seiner Macht. Über
diesem Herrscherglück lag aber der Schatten, dass der Kaiser ohne männliche
Nachkommen blieb, da sein Sohn Leopold am 4.11.1716 verstorben war.
Somit war das Haus Habsburg im Mannesstamm ausgestorben. Die
Pragmatische Sanktion , veröffentlicht am 19.4.1713, sollte die
Unteilbarkeit der habsburgischen Länder und die Erbfolge auch für Töchter
sichern. Am 18.1.1720 wurde Philipp V. von Anjou endlich auch vom Kaiser
als König von Spanien anerkannt. Mit 5.6.1723 wurde Karl VI. hingegen
auch noch König von Böhmen. Es sollte bis zum 6.12.1723 dauern, bis
die „Pragmatische Sanktion” auch durch die Stände der österreichischen
Erblande anerkannt und zum Grundgesetz erklärt wurde. Noch immer schien
die Nachfolge der Kaisertöchter nicht gesichert. Erst mit dem Wiener
Frieden erhielt der Kaiser seitens der spanischen Bourbonen ebenfalls
die Anerkennung der Sanktion und verzichtete er seinerseits nun endgültig
auf Spanien. Der 1736 begonnene und sehr verlustreiche
Türkenkrieg konnte
erst 1739 beigelegt werden.
Bei guten geistigen Anlagen und musikalischer
Begabung war Karl VI. wegen seiner melancholisch-phlegmatischen Natur
nur schwer zu Entschlüssen zu bewegen. Er gab sich zurückhaltend, umständlich,
leicht misstrauisch und schwankend. Seine Religiosität war
erziehungsbedingt tief und echt, er war aber wankelmütig in den heiklen
Fragen der Regelung konfessioneller Angelegenheiten. Der Alltag war von
steifer Etikette bestimmt. Die letzten Lebensjahre waren Jahre der
Sorgen und der Unsicherheit der Erbfolge. Der Kaiser verstarb am
20.10.1740 in Wien an Fieber und den Folgen eines Gichtanfalles. Er ist
in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt. Gemäß der Pragmatischen
Sanktion übernahm Maria Theresia die Regierung, doch schon meldeten die
Wittelsbacher Erbansprüche an. Frankreich trat erwartungsgemäß auf
die Seite Bayerns und verhinderte zunächst die Kaiserwahl Franz
Stephans, dem Gemahl Maria Theresias. Die Aufteilung des zu mächtig
gewordenen Habsburgerstaates sollte also eingeleitet werden. Der Österreichische
Erbfolgekrieg begann.
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