Joseph II.
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Joseph, Erzherzog von Österreich, römisch
deutscher König 1764, römisch deutscher Kaiser 1765, König von Ungarn
und Böhmen 1780, wurde am 13. März 1741 in Wien geboren. Seine Eltern
waren Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia, Tochter Kaiser Karls
VI. Am 6.10.1760 in Wien Hochzeit mit Maria
Isabella, der Tochter des Herzogs Philipp von Parma. Der Ehe entstammten
zwei Kinder, Maria Theresia und Marie Christine. Beide verstarben
bereits im Kindesalter. Am 23.1.1765 in Wien Hochzeit mit Maria Josefa
Antonie, der Tochter Kaiser Karls VII. aus dem Haus Wittelsbach. Diese
Ehe blieb kinderlos. |
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| Joseph II. und Maria Isabelle | Joseph II. und Maria Joseafa |
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Am 27.3.1764 erfolgte in Frankfurt die Wahl
zum römischen König. Im Jahre 1765 verzichtete der als Nachfolger in
die Kaiserwürde vorgesehene Joseph zu Gunsten seines Bruders Leopold
auf das Grossherzogtum Toskana. Er erbte nach dem Tod seines Vaters
dessen persönlichen Reichtum, rund 22 Millionen Gulden. Diese Erbschaft
verwendete er zur Tilgung der Staatsschuld. Er übernahm als Kaiser des
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 18.8.1765 die Regierung,
konnte aber im Reich keine Reformen durchsetzen. Zugleich wurde er
Mitregent seiner Mutter Maria Theresia in den Erblanden.
Es gehörte zum Regierungsstil des aufgeklärten
Absolutismus zu reisen. Dies zum Zweck, sich neue Anregungen zu holen,
aber auch, um zu kontrollieren, ob gesetzte Maßnahmen griffen. Diese
Reisen führten Joseph nicht nur durch das Habsburgerreich, sondern auch
in andere Länder. So reiste er 1769 zum Beispiel nach Rom zum Konklave,
nach Neapel, Florenz, Parma, Turin und Mailand, im Jahre 1777 quer durch
Frankreich, in die Niederlande und 1780 sowie 1787 nach Russland. Nach
dem Tod von Maximilian III., Kurfürst von Bayern, erhob Joseph Anspruch
auf Teile Bayerns. Daraus entwickelte sich der Bayrische Erbfolgekrieg
mit allerdings nur wenigen und unbedeutenden Kampfhandlungen. Im Frieden
von Teschen blieb Bayern dem Haus Wittelsbach erhalten. Als Joseph II. nach dem Tod seiner Mutter die
Alleinregierung antrat, war er bereits ein kranker Mann. Zu einer
Tuberkulose kamen Geschwüre am Kopf, eine chronische Augenentzündung,
Rotlauf, Hämorrhoiden, Nierenkoliken und Gallenanfälle. Im Jahre 1780
wirkten die ursprünglich schmale Gestalt und das längliche Gesicht des
Kaisers aufgedunsen, er trug stets eine Perücke. Er hustete häufig und
schlief schlecht. Doch sein ausgeprägtes Sendungsbewußtsein und der
große Arbeitseifer halfen ihm über seine Gebrechen hinweg. Joseph II.
konnte ebenso leutselig und freundlich sein wie auch unnahbar und
schroff; er war sensibel, oft auch eigensinnig und engstirnig. Josephinismus ist das Schlagwort, mit dem
seine Reformen umschrieben werden. Mit dem Untertanenpatent hob er 1781
die Leibeigenschaft auf, mit dem Patent über die Bestrafung der
Untertanen schaffte er die Todesstrafe ab, das Steuerdekret setzte neue
gesellschaftspolitische Signale, kaiserliche Dekrete sahen vor, dass
Kinder unter acht Jahren ohne besondere Not nicht in die Fabrik
geschickt werden durften, das Toleranzedikt sicherte Protestanten,
Lutheranern, Calvinisten und Griechisch-Orthodoxen Religionsfreiheit zu.
Dies sind nur einige seiner Veränderungen. Den aufklärerischen
Reformen stand als Widerspruch seine Außenpolitik gegenüber. Sie war
ausgerichtet auf Gebietsgewinn und schreckte auch vor Angriffskriegen
nicht zurück. Am 9. Februar 1788 erklärte Joseph II. dem türkischen
Reich den Krieg. Die Armee erfuhr am 28. August in der Schlacht von
Mehadia im Banat und am 20. September bei Lugoas im Banat schwere
Niederlagen. Das Ende dieses Krieges erlebte Joseph II. nicht mehr. Er
starb am 20. Februar 1790 in Wien im Alter von achtundvierzig Jahren,
vermutlich an Tuberkulose. Die Josephinischen Reformen sind wohl nur in
ihrer Gesamtheit zu verstehen, viele Maßnahmen waren dabei zu rasch und
radikal, als dass sie das Volk hätte mitmachen können. Der alte
halbfeudale Staat sollte zu einem modernen Flächenstaat umstrukturiert
werden. Im Sommer und Herbst des Jahres 1789 brach in
Frankreich in mehreren Etappen die Revolution aus. Am Wiener Hof sah man
zunächst keinen Grund, wegen der prekären Lage des Hauses Bourbon
besonders beunruhigt zu sein. Der Nachfolger Josephs II., sein um sechs
Jahre jüngerer Bruder Leopold II., betrachtete die Revolution zunächst
als reine innere Angelegenheit Frankreichs. |