Franz I. Stephan

 

Franz Stephan, Herzog von Lothringen 1729, Großherzog von Toskana 1737, römisch deutscher König und römisch deutscher Kaiser 1745, wurde am 8. Dezember 1708 in Nancy geboren. Seine Eltern waren Leopold Karl Joseph, Herzog von Lothringen, und Elisabeth Charlotte, Tochter des Herzogs Philipp I. von Orleans.

Am 12.2.1736 in Wien Hochzeit mit Maria Theresia, der Tochter Kaiser Karls VI. Der Ehe entstammten sechzehn Kinder: Maria Elisabeth, Maria Anna, Maria Karoline, Joseph II., Maria Christina, Elisabeth, Karl Josef, Maria Amalie, Leopold II., Karoline, Johanna Gabriele, Maria Josefa, Maria Karoline, Ferdinand, Marie Antoinette und Maximilian Franz.

Franz Stephan, ein Enkel Karls V. von Lothringen und der Habsburgerin Eleonore, der Tochter Kaiser Ferdinands III., kam bereits fünfzehnjährig an den Wiener Hof und wurde schon bald von Kaiser Karl VI. als künftiger Schwiegersohn behandelt. Dadurch wurde er als Familienmitglied betrachtet.

 

Maria Theresia Maria Theresia

 

Nach dem Tod des Vaters trat er 1729 im Zuge des polnischen Erbfolgekrieges Lothringen an Frankreich ab und wurde dafür am 24.1.1737 mit dem Großherzogtum Toskana entschädigt. Am 21.11.1740 wurde er offiziell Mitregent seiner Gattin Maria Theresia. In den von Friedrich II. von Preußen ausgelösten schlesischen Kriegen neigte er eher zu einer nachgiebigen Haltung, sehr im Gegensatz zu seiner Gattin. Diese wollte mit allen Mitteln die Pragmatische Sanktion durchsetzen. Wenn sie auch im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges die Krönung des Wittelsbachers Karl Albert zum römischen Kaiser hinnehmen musste, so wollte sie doch unbedingt ihren geliebten Gatten zum Kaiser machen. Nachdem Kaiser Karl VII. schon bald, am 20.1.1745, verstarb, war der Weg frei und konnte Franz Stephan endlich am 13.9.1745 zum Kaiser gewählt werden.

Kaiser Franz I. Stephan beschränkte sich hauptsächlich auf repräsentative Verpflichtungen. Die eigentliche politische Macht im Reich lag in den Händen Maria Theresias. Lediglich bei der Behandlung wirtschaftlicher und finanzieller Fragen wurde er zu Rate gezogen, da er dafür Geschick zeigte. Sonst aber ging der Kaiser seinen naturwissenschaftlichen und kunsthistorischen Interessen nach. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass in dieser Zeit umfangreiche kaiserliche Sammlungen - vor allem Mineralien und Münzen - entstanden.

Im Frieden von Dresden verzichtete Österreich gegen Anerkennung Franz Stephans als Kaiser zugunsten Preußens endgültig auf Schlesien. Trotz des Friedens schlossen sich Österreich und Russland am 7.6.1746 zu einem Defensivbündnis gegen Preußen zusammen. Mit dem Frieden von Aachen konnte schließlich auch der Österreichische Erbfolgekrieg beigelegt werden. Wenngleich Österreich alle Gebiete in Italien verlor, war nun die Pragmatische Sanktion anerkannt und die Machtposition der Habsburger gefestigt. Ein weiterer Schritt der Entspannung war der Vertrag von Versailles, der zumindest eine Annäherung der seit Jahrhunderten verfeindeten Dynastien Habsburg und Bourbon brachte. Am 29.8.1756 entflammte ein neuer Kriegsherd durch Einmarsch preußischer Truppen in Sachsen. 1756 bis 1763 sollte der 3.Schlesische Krieg dauern, der erst mit dem Frieden von Hubertusburg beendet werden konnte. Österreich musste endgültig auf Schlesien und die Grafschaft Glatz verzichten. Am 27.3.1764 erfolgte in Frankfurt die Wahl von Erzherzog Joseph zum römisch deutschen König. Damit wurde er präsumtiver Anwärter auf die Nachfolge zum Kaiser.

Während der Hochzeitsfeierlichkeiten seines Sohnes Leopold in Innsbruck erlitt Franz Stephan einen Schlaganfall und verstarb daran am 18.8.1765. Maria Theresia trauerte sehr um ihn und trug fortan einen Schleier.

Kaiser Franz I. Stephan ist in der Kapuzinergruft Wien beigesetzt.