DIE SALZBURGER MÜNZE ZUR ZEIT COLLOREDOS

 

Die Salzburger Münze war in zwei Gebäuden ("Münzhaus" Griesgasse 37; "Wardeinamt" Griesgasse 4) untergebracht.

Das Münzhaus war ein langes, zweigeschossiges Gebäude, in dem sich im Erdgeschoss rechts drei Prägestuben (eine mit zwei Prägewerken und einem Handprägewerk; zwei mit je einem kleinen Prägewerk) und links eine Schlosserei und ein chemisches Laboratorium befanden. Rückwärts im Hof waren der Schmelzgaden mit zwei Fassöfen, das Streckwerk mit zwei Walzenpaaren, zwei Justierwerke, eine Walzendrehmaschine und fünf Durchschneidemaschinen, ein Weißsudofen, ein Goldstübchen und ein Glühgewölbe. Im ersten Stock befanden sich ein Justierzimmer mit vier alten ausgeschiedenen Handprägen, die Wohnung des "Controlors" und jene des Schlossers. Im zweiten Stock war die Wohnung des Amtsschreibers. Das Streckwerk erhielt sein Aufschlagwasser von der Alm. Das Gerinne war dabei so unzweckmäßig angelegt, dass die Wasserräder zu tief eintauchten und in der Wirkung beeinträchtigt waren.  Im Wardeinamt war das Pfennigmeisteramt, sowie der münzamtliche Scheidgaden untergebracht und dort waren auch die Stempelschneider tätig. Im Erdgeschoss befand sich der Scheidgaden, ein Schmelzgaden, eine Zimmermannswerkstätte; im ersten Stock das Amtszimmer des Wardeins und jenes des Amtsschreibers (zugleich Waagraum und Kassa), ein Zimmer zur Aufbewahrung der Edelmetalle und des Bargeldes, der Probiergaden und die Wohnungen der beiden Graveure. Im zweiten Stock befand sich die Wohnung des Wardeins.

Die Münzgeschäfte waren in die "Einlösung" und in die "Ausmünzung" geteilt. Das Wardeinsamt war mit der Übernahme des Münzmetalles von den Bergwerken und von Privatpersonen, dem Schmelzen und Probieren des so eingelangten Metalles, der Berechnung und Auszahlung des Vergütungswertes und mit der Leitung des Scheidgadens betraut. Im Münzhaus erfolgte hingegen unter der Verantwortung des Münzamtes die Ausmünzung und Auslieferung der ausgeprägten Münzen an den Wardein.

Als Hieronymus Graf Colloredo-Waldsee im Jahre 1772 die Regierung antrat, bestanden an der Salzburger Münze arge Missstände, die er rasch beseitigen wollte. Nachdem die ersten unter seiner Regierung ausgeprägten Münzen schlecht ausgefallen waren, Münzmeister und Medailleur über die Gründe uneins waren, wurde eine Untersuchung durch den Hofkanzler von Lasser angeordnet. Aufgrund des Kommissionsberichtes resolvierte Colloredo am 22. Juli 1772: 

"Es sei dem Münzmeister zu bedeuten, dass er sich bei Herstellung der Münzzaine bestens zu befleißen und auf die zu den Arbeiten bestellten Leute genaue Obsicht zu tragen und zu sorgen habe, dass die Münzen insbesondere bei Ausmünzung der Taler und Dukaten die Stöcke akkurat und gut einrichten, um die Unförmlichkeit der Münzen und die sich dadurch ergebenden Kallierungen zu vermeiden.  Weiters sei dem Münzmeister und den beiden Medailleuren zu eröffnen, dass, weil über die Qualität des Stahles Ausstellungen gemacht wurden, durch die hochfürstliche Haupthandlung behufs Herstellung dauerhafter Münzstöcke murauischer, unter dem sogenannten Brescianer Hammer ausgeschlagener Stahl schleunigst herbeigeschafft werde, dass behufs gründlicher Erhebung des eigentlichen Fehlers durch die beiden Medailleure ein Dukaten und Talerstock zu einer Probe besonders ausgeschnitten und dabei alles Einpunzieren gänzlich unterlassen werde. Auch sollen sich sämtliche Münzbeamten miteinander wohl betragen, über die Verbesserung der Münze gemeinschaftlich beraten, wahrgenommenen Fehlern abhelfen oder über dieselben höhererorts die Anzeige machen und überhaupt trachten, gute Münzen herzustellen, dies um so mehr, als der Erzbischof widrigenfalls entschlossen wäre, einen Werkverständigen von einem anderen Orte zu berufen und auf dessen Befund Schuldtragende allenfalls des Dienstes zu entlassen."

Nachdem aufgrund dieses Erlasses kein Erfolg eingetreten war, entschloss sich Colloredo zu einer Untersuchung des Münzamtes durch Sachverständige des kaiserlichen Münzamtes in Wien. Am 8. August 1772 schrieb er an Moll "Er wolle es ihm nicht verhehlen, dass im Münzamte eine merkliche Unordnung, auch Mißverständnisse zwischen dem Münzmeister und dem Medailleur obwalten, daß die Münzstempel aller Gattungen sehr schnell zugrunde gehen oder unbrauchbar gemacht werden und dass die Schuld hiefür der Münzmeister den Punzen oder den zu tief geschnittenen Münzstöcken, der Medailleur aber dem Stahl oder den Münzern beilegen, in Wirklichkeit aber in der schlechten Einrichtung des Münzamtes überhaupt gelegen zu sein scheint."

Moll erhielt die Anweisung sich zu erkundigen, ob nicht ein tauglicher Beamter des kaiserlichen Wiener Münzamtes die Erlaubnis erhielte, gegen gebührliche Erkenntlichkeit sich auf zwei bis drei Wochen nach Salzburg zu verfügen, um dort gutachterlich tätig zu werden. Letztendlich wurde Johann Martin Krafft als Gutachter vorgeschlagen und visitierte dieser das Münzamt in der Zeit vom 22. Oktober 1772 bis 23. November 1772. In den hierüber aufgenommenen Protokollen wurden die Mittel und Wege vorgeschlagen, wie den Unordnungen und Mängeln begegnet und das Münzwesen verbessert werden könnte. Die Vorschläge Kraffts wurden sodann umgesetzt, und es konnten die wesentlichsten Mängel beseitigt werden. Neben diesen technischen Unzulänglichkeiten war Colloredo auch mit der künstlerischen Fertigkeit seiner Medailleure unzufrieden. Es gab insgesamt sieben Stempelvarianten der Porträtseite des Antrittstalers von 1772, bis endlich das genehme Porträt gefunden war. Die Wahlmedaille wurde überhaupt beim Wiener Medailleur Johann Martin Krafft bestellt. Die Begründung lautete, dass der ältere Matzenkopf nichts mehr sehe und der jüngere (36-jährige!) noch nicht sattsam geübt sei. In der Folge wird Letzterer im wesentlichen alleine gearbeitet haben. 1789 wurde dann Franz Xaver Matzenkopf als Graveursadjunkt an der Münze angestellt.